Sonntag, 21. Juni 2020

Die Borte vom Thorsberg-Kittel



Manchmal ist das Ergebnis nicht so, wie man erhofft.

So hier. Die Struktur des Originals zeigt, dass es ein Zweilochgewebe sein muss, aber es ist so viel vom Original vergangen, dass man nicht mehr wirklich ein Muster erahnen kann.

Was man aber sieht, dass ich mit der einfarbigen Farbgebung wohl falsch liege.

Dienstag, 16. Juni 2020

Musteranleitungen ...

Vor einigen Tagen hatte ich auf meiner Facebook-Seite das Bild von der Borte einer anderen Weberin geteilt. Sie hatte meine Anleitung verwendet, die ich nach einem Fund aus Ägypten erstellt hatte. Ich hatte das Muster in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift 'TWIST' veröffentlicht.



Jetzt ist ihr Bild nicht mehr da, weil sie es gelöscht hatte.
Warum?
So sehr ich mich darüber freue, wenn andere Weber mit meinen Mustern arbeiten, bin ich sehr angesickt, wenn jemand dieses Muster abschreibt und ohne meine Genehmigung veröffentlicht.
Das hatte sie getan, als ein anderer Weber gefragt hatte, wie man das Muster bekommt, ohne die Zeitung TWIST bezahlen zu müssen.

Ich kann durchaus verstehen, dass 10$ im Jahr für eine Zeitschrift nicht viel Geld ist, aber manchmal trotzdem zu viel ist, um es in ein Hobby zu investieren.
ABER niemand hat das Recht, eine Anleitung aus dieser Zeitung zu kopieren und in einer Gruppe von mehr als 9.000 Mitgliedern zu veröffentlichen (genau das tat die Weberin als Antwort auf die Frage).
Und so wurde ich in dieser Gruppe laut und habe nicht wirklich höflich verlangte, dass man die Musteranleitung sofort löscht. Dann habe ich auch auf die Regeln der Gruppe verwiesen 'Please respect artists who have shared patterns, whether in the files, on a website, or in books, by not reposting those patterns without their permission, as well as giving them credit for their designs.'
Sie ist dieser Aufforderung auch sofort nachgekommen, hat zuerst die Musteranleitung und dann den ganzen Beitrag mit dem Bild gelöscht.
Ich war sooooo sauer... (vielleicht war ich auch mit meinen Kommentaren zu böse), aber ich habe zum ersten Mal etwas veröffentlicht, was nicht sofort für 'umsonst' zu haben ist, und dann wird es einfach so in der größten Brettchenwebergruppe veröffentlicht, so dass niemand mehr die Zeitschrift kaufen muss, um das Muster zu haben.

Es kostet Zeit und Geld historische Muster zu rekonstruieren. Wer dazu mehr wissen möchte, kann hier weiter lesen. Und wer solche Muster selber machen möchte, schreibt nicht von mir ab, sondern besorgt sich die Veröffentlichung / fotografiert in Museen und arbeitet nach den Originalen.
DANN habe ihr auch ein Recht an den Mustern.
Ich habe keine Rechte an den Funden. ABER an dem, wie ich sie interpretiere.

Also repektiert bitte, dass es nicht alle Muster immer für 'umsonst' gibt und kopiert sie nicht weiter. Dankeschön.

Übrigens: Ich werde die Muster aus Ägypten früher oder später frei veröffentlichen, aber wer jetzt sofort die Musteranleitungen haben möchte, muss die TWIST kaufen. Wer es sich nicht leisten kann, muss geduldig sein.



Samstag, 6. Juni 2020

Zweilochgewebe



Nicht immer klappt es so, wie man es sich vorstellt.

So hier. Ich hatte angefangen, die Motive von 'Erich von Pommerns' Gürtel als Zweiloch zu weben, doch hier entwickelten nicht nur die Brettchen eine Eigenleben, sondern immer wieder riss ein Faden.

Desswegen hatte ich es nachdem ich einige Motive gewebt hatte, erst mal wieder vom Webstuhl genommen.

Und dieses Jahr - wo ich mir fest vorgenommen habe, die Anzahl meiner UFOs zu halbieren wieder auf den Webstuhl gepackt.

 

Dienstag, 26. Mai 2020

Die Borte vom Kinderkleid aus Ägypten

Manche Borten muss ich mehrfach weben, so diese Borte eines Kinderkleides (Inv Nr. 9935).

Ich hatte die Borte aus Ägypten, die ins 6./7. Jhd. datiert ist ursprünglich in den Farben wie sie jetzt (also nach 1300 Jahren) aussieht und viel zu dick gewebt. 20/2 Wolle war einfach zu grob.

So habe ich jetzt noch einmal 28/2 Wolle in den ursprünglichen Farben kräftiges rot und weiß gewebt.



Samstag, 23. Mai 2020

Eine weitere Borte aus dem Erfurter Schatzfund

Der Erfurter Schatzfund (1349 versteckt) bestand nicht nur aus einem Gold- und Silberschatz, an vielen Gürtelapplikationen befanden sich noch Reste von Textilien.

Es handelt sich dabei meistens um einfarbige brettchengewebte Bänder mit einer Struktur, wie man sie nicht aus früheren Zeiten kennt.

Der große Unterschied ist, dass diese Borten mit 6-Loch-Brettchen als ausgelassener Einzug gewebt wurde. Dabei wurden zwei Schussfäden verwendet.



Donnerstag, 14. Mai 2020

Die Kelten in der Hallstattzeit - wie anfangen?


Die Kelten in der Hallstattzeit - wie anfangen?

Man hat schon viel von dieser mysteriösen Kultur gehört, und es gibt so manch eine Dokumentation im Fernsehen. Aber wenn man ernsthaft anfängt, sich mit ihnen zu beschäftigen und versucht, die Kleidung zu rekonstruieren, dann wird es eng. Zumal das, was man oft in den Dokumentationen sieht, nur bedingt bis gar nicht mit dem übereinstimmt, was gefunden wurde.
Hier beschäftige ich mich mit der Kleidung der Kelten in Zentraleuropa zur Hallstattzeit, die von 800 v. Chr. bis etwa 450 v. Chr. datiert wird (natürlich mit regionalen Unterschieden), regional begrenzt auf Süddeutschland, Österreich und die angrenzenden südlich und östlich angrenzenden Länder. Andere Regionen haben eine andere Mode.

Als absolutes 'Must have' für diese Zeit empfehle ich das Buch 'Bunte Tuche gleißendes Metall - Frühe Kelten der Hallstattzeit', das einen guten Überblick über verschiedene Rekonstruktionsvorschläge gibt.
Dann PrähistorischeTextilkunst in Mitteleuropa von Karina Grömer. DAS Buch zu Textilien aus der Zeit, das es im kostenlosen Download gibt. 
Einen allgemeinen Überblick über die Kelten und Funde gibt das Buch 'Die Kelten in Deutschland' von Sabine Rieckhoff und Jörg Biel.
Aus der Hallstattzeit gibt es wenige Funde und noch weniger Abbildungen von getragener Kleidung. Von den Textilien sind nur Fragmente erhalten. Hauptfundorte sind die Salzbergwerke in Österreich (Hallstatt und Hallein) und das Grab des Keltenfürsten von Hochdorf.
Abbildungen von Kleidung gibt es in Mitteleuropa fast keine. Wenn man für eine Darstellung aus Süddeutschland recherchiert, dann muss man z.B. auf Abbildungen auf einer Situla von Vace, Slowenien oder von einer Situla aus Bologna, Italien oder der Situla aus Kuffern, Östereich zurückgreifen, um überhaupt eine Idee zu haben, wie die getragene Kleidung ausgesehen haben könnte. 
Man muss noch weiter gehen (sowohl räumlich als auch zeitlich), wenn man Funde von kompletten Textlilien vergleichend anschauen will, etwa die Moorfunde in Dänemark, die zeitlich früher oder später liegen, genau wie die Textilien aus dem nachchristlichen Ägypten oder anderen wüstenartigen Gebieten, wo das Klima beigetragen hat, dass Stoffe über 2500 Jahre erhalten geblieben sind.

Textilfragmente aus dem Salzbergwerk von Hallstatt (vom Titelbild des Buches 'Textilien aus Hallstatt')
Vielen Dank an Karina Grömer und das Naturhistorische Museum Wien für die Genehmigung, es zu verwenden.

Samstag, 25. April 2020

Fertig...

Als mir vor einigen Jahren der Grafiker meines Vertrauens Visitenkarten machte, staunte ich nicht schlecht, denn er hatte ein Motiv im mittelalterlichen Stil verwendet, das ich noch nicht gewebt hatte.

Das Muster (17 Musterbrettchen) war schnell entwickelt und dann legte ich los.

Ja, ich wurde halb fertig und dann lief mir ein spannenderes Motiv über den Weg, das ich unbedingt und ganz dringend weben musste....

Benutzt habe ich die Borte trotzdem, um meine Visitenkarten zu präsentieren:


Donnerstag, 23. April 2020

Eins meiner Ufos (Unfinished Objekts)


Zur Zeit arbeite ich an der Rekonstruktion eines brettchengewebeten Bandes aus Antinoé, Grab 84 b.

Es ist ein Köperband, das aber auch waagerechte Linien kann, das mit insgesamt 49 Musterbrettchen gewebt wird.

Im Moment bin ich ein wenig frustriert, da das Bild, das ich von der Borte habe, nicht gut genug ist, um die Feinheiten der Broschur zu erkennen.
Und deswegen ruht es zur Zeit.

I'm also working at the reconstruction of a tablet woven band from Antinoé, grave 84b.

it is a broken twill with horizontal lines, and I'm working with 49 tablets in the pattern.

Right now I'm a little bit frustrated as the picture, which I have from the original band, is not detailed enough to see all details of the brocading. 

So right now it is not on the loom.




Literatur:
Maximilien Durand (Autor),‎ Florence Calament (Autor),‎ Collectif (Autor),  Antinoé, à la vie, à la mode : Visions d'élégance dans les solitudes, 2013
Die Borte ist aus Lyon, musée des Tissus inv. MT 28929.92.1, MT 28929.92.2, MT 2013.0.46.1 und MT2013.0.46.2
Muster: eigener Entwurf

Donnerstag, 2. April 2020

Was ganz modernes

Ja, das geht auch ;-)

Wenn man wegen Corona HomeOffice hat, und viel Freizeit, dann kommt Frau auf verrückte Ideen.

Eine davon war es, doch mal eine wirklich schicke und abgefahrene Gesichtsmaske zu nähen. Wenn ich schon mit einer Erkältung einkaufen gehe, dann nur mit einer ungewöhnlichen Maske.

Da kam es mir sehr gelegen, dass eine Freundin eine wirklich schöne Maske postete und mir netterweise auch das Schnittmuster gab.

Ich wusste auch sofort, welches Material ich verwenden würde:

Da war doch noch der Fehlkauf einer bedruckten Seide, die ich im historischen Kontext nicht verwenden kann. Man kann sie zwar nicht in die Kochwäsche stecken, aber sie hat nichts dagegen sehr heiß gebügelt zu werden und damit kann man auch desinfizieren. 

Die Borten kommen auch aus dem Fundus - sie sind aus Ladoga, das in der Nähe von St. Petersburg liegt.

Dienstag, 17. März 2020

Seidenstoffe im wikingerzeitlichen Skandinavien

Man sieht sie so oft bei Rekonstruktionen von wikingerzeitlicher Kleidung, und in immer bunteren Ausführungen, teilweise motivgewebt, teilweise bedruckt und so gut wie gar nicht einfarbig.
Aber was für Seide gab es nun im wikingerzeitlichen Skandinavien?
Aufgrund der vielen Funde kann ich nur eine Übersicht geben. Detaillierte Informationen findet man in den Büchern der unten angegebenen Bücherliste.


Sonntag, 8. März 2020

Das Brettchenwebertreffen in Viersen

Das Treffen wurde wie immer perfekt von Menja organisiert. Vielen lieben Dank.

Für mich war es leider nur ein kurzer Besuch,  da ich Antibiotikum einnehme und das eine durchschlagende Wirkung hatte. So konnte ich auch nicht den geplanten Workshop machen, sorry....

Samstag, 15. Februar 2020

Das zwölfte Brettchenwebertreffen in Essen



 Eins meiner Highlights vom Brettchenwebertreffen. Barbara hatte sich von einer Borte von mir inspirieren lassen und hat sie ein wenig abgewandelt und als Missing Hole gewebt. Das ist so wunderschön geworden.

Donnerstag, 13. Februar 2020

Schmale Bänder

Ich habe in der letzten Zeit auch einige sehr schmale Bänder gewebt, die ich zeigen möchte.

6 Brettchen, 2 Farben, kontinuierlich in eine Richtung gedreht
6 tablets, 2 colours, always turned in the same direction.


Samstag, 8. Februar 2020

Irgendwann, wenn ich in Rente bin.

Werde ich mich auch an dieses Band wagen

Foto von  Unimus.no by Kulturhistorisk museum/ Museum of Cultural History
Oseberg 34D.