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Montag, 18. Mai 2026

Die Mütze des Heiligen Simeon aus Trier

Als sich der Heilige Simeon von Trier im Jahr 1028 in einer kleinen Zelle der Porta Nigra einmauern ließ, um dort als Eremit zu leben, hätte er wohl kaum geahnt, dass ausgerechnet seine Mütze fast 1000 Jahre später als Reliquie in einem Domschatz ausgestellt werden würde.

Über die Mütze selbst ist nur wenig bekannt. Vermutlich brachte Simeon sie von seiner Pilgerreise ins Heilige Land mit; damals dürfte sie also ein ausgesprochen exotisches Mitbringsel gewesen sein.

Dabei wirkt sie auf den ersten Blick eher unscheinbar: eine nadelgebundene Mütze aus brauner Schafswolle. Und doch handelt es sich um den einzigen bekannten Fund dieser Art nördlich der Alpen.

 

Donnerstag, 26. März 2026

Neues Anleitungsheft

Ich habe ein neues Anleitungsheft veröffentlicht.

Es geht um die Siegelbänder aus Durham.



Die Anleitung für das Köperband habe ich schon recht lange veröffentlicht. Jetzt habe ich auch die anderen 4 Bänder gewebt und die Anleitungen veröffentlich.

Man findet es hier und hier  

Samstag, 6. November 2021

Inspiriert von der Borte TX111 aus St. Truiden

Genau wie viele andere Borten aus St. Truiden, gehört auch dieses Band zum Reliquienschatz der Jungfrauen der St. Ursula. Ursprünglich stammt es wahrscheinlich aus Köln, Deutschland und wurde um 1270 nach St. Truiden gebracht.

Die Borte TX111 fiel mir zuerst im Anhang des Buche 'Ecclesiastical Pomp' auf, später sah ich Abbildungen vom Original auf der Website.

 


Dienstag, 26. Oktober 2021

Der Mantel der Dame von Baza

Bereits 1972 wurde in der spanischen Stadt Baza eine bemalte Statue gefunden, die in das 4. Jhd. v. Chr. datiert wurde.

Die Farben waren schon sehr vergangen, aber man konnte immer noch die Farbenpracht erahnen.

Ein Rekonstruktionsversuch wurde 2011 im Archaeological Textiles Newsletter 52  veröffentlicht. Allerdings wurde dort die Borte in blau und rot gewebt.

2021 gab es eine neuen Versuch der Complutense University of Madrid, die Farben mit einer digtalen Fotografiertechnik wieder lebendig zu machen.
Es gelang und die Abwesenheit von Farbe in dem Karoteil der Borte fiel mir besonders auf. 

Und so habe ich versucht diese Borte zu rekonstruieren.

Samstag, 18. September 2021

Das brettchengewebte Band aus Jakštaičiai-Meškiai, Litauen


Im Nationalmuseum von Litauen gibt es über 100 Fragmente von brettchengwebten Borten, die zu ca. 50 unterschiedlichen Borten gehören. Datiert sind sie in von der Eisenzeit bis ins späte Mittelalter.

So ist dieses Band aus Jakštaičiai-Meškiai dem Frauengrab 60 eindeutig zugeordnet, aber datiert ist die Borte vom 9.-16. Jhd. Über das Grab selber habe ich nichts heraus finden können.


Sonntag, 23. Mai 2021

Update zum Thorsberge Prachtmantel

 

Nach langer Zeit mal wieder eine Update vom Thorsberger Mantel. Die Fransen sind größtenteils fertig. Endlich... Achtfachflechtung ist zeitintensiv.
Ich muss jetzt noch an einer Seite eine schmale rote Borte anweben und dann die letzten Fäden von der Seite verflechten, dann bin ich fertig. 
 


 
 

Freitag, 23. April 2021

Die Rekonstruktion einer Borte – wie funktioniert das?

Eigentlich ganz einfach. Man schaut sich eine Borte an und anhand der Vorlage zählt man das Muster aus und webt es nach.
 
Nur meistens ist es nicht so einfach. Die Borten sind nicht immer in einem Zustand, dass man alles einwandfrei erkennen kann. Und oft kann man nur raten und man muss sich im Laufe der Rekonstruktion korrigieren.

Wichtig ist, dass man Brettchenweben kann, gerne mit unterschiedlichen Techniken experimentiert und schon mal das eine oder andere Muster selbst entworfen hat. Man sollte also schon wissen, wie eine Köperborte aussieht, und wie eine zweiloch, oder dreiloch Borte.
 
Wenn ich ein Muster rekonstruieren will, schaue ich mir Borte an. Als erstes zähle ich aus, mit wie vielen Brettchen sie gewebt wurde. Funktioniert aber nicht immer, wenn das Bild unscharf/klein ist, dann kann man nicht immer die Stränge erkennen.
Aber eine erste Einschätzung ist möglich.
 
Dann versuche ich, anhand des Musters eine Technik zu bestimmen. Einige Techniken, wie die Köpertechnik, sind recht einfach, aber es ist schon schwieriger zu erkennen, ob man eine Borte, die mit 4 Fäden, 3 Fäden oder 2 Fäden pro Brettchen vor sich hat, da muss man oft auch vergleichen, ob der Rand anders aussieht, um etwas zu erkennen.
 
Und mit dem Wissen um Brettchenanzahl, Technik und dem Motiv auf der Borte versuche ich ein Muster zu entwickeln, das dem Fund so nahe wie möglich kommt.


Sonntag, 14. Februar 2021

Ein broschiertes Band aus Breslau 12/13. Jhd.

Es gibt Bänder, über die ich fast gar nichts weiß, und wo ich mir auch nicht sicher bin, ob die Rekonstruktionen 'passen'.

So auch das Band aus Breslau, das ich vor einigen Jahren angefangen habe zu weben.

Ich hatte als Vorlage nur eine schwarz/weiß Kopie, wo noch nicht mal zu erkennen ist, mit wie vielen Brettchen das Muster gewebt wurde. Nur, dass das Muster broschiert wurde.

Und so habe ich mich hingesetzt und das Muster nachgearbeitet.  Ich habe aber keine Ahnung, ob das so stimmt. 


Sonntag, 10. Januar 2021

Ein brettchengewebte Borte, oder ein geflochtenes Band? Ein Fund aus Ägypten.

 

Es ist ein Band von einer Kindertunika, die in den Archiven der 'The Whietworth Gallery' in der Universität in Manchester/GB aufbewahrt wird. Die Tunika wird zwischen dem 6. und 9. Jhd. datiert und als Fundort ist Ägypten angegeben. Es gibt keine weiteren Informationen zu dem Fund.

Ein Bild davon findet man hier

Das Band selbst ist als 'gezwirntes' Band aus Wolle beschrieben worden und ist am Halsausschnitt der Tunika angenäht worden. Das Band ist am Ende geknotet worden und der Knoten wurde mitangenäht. Es gibt keine Information, dass das Band brettchengewebt sein könnte.

Aber wenn man ganz einfache brettchengewebte Borten webt, dann sieht es genauso aus wie dieses Band. 4 Brettchen und alle Brettchen werden kontinuierlich in die gleiche Richtung gedreht. Aber mit Fingerschlaufenweben kann man ein ähnliches Muster erzeugen.


 

Samstag, 23. Mai 2020

Eine weitere Borte aus dem Erfurter Schatzfund

Der Erfurter Schatzfund (1349 versteckt) bestand nicht nur aus einem Gold- und Silberschatz, an vielen Gürtelapplikationen befanden sich noch Reste von Textilien.

Es handelt sich dabei meistens um einfarbige brettchengewebte Bänder mit einer Struktur, wie man sie nicht aus früheren Zeiten kennt.

Der große Unterschied ist, dass diese Borten mit 6-Loch-Brettchen als ausgelassener Einzug gewebt wurde. Dabei wurden zwei Schussfäden verwendet.



Samstag, 28. Dezember 2019

Das Band TX 79 aus St. Truiden

Der Reliquienschatz aus St. Truiden, der zwischen 1270 und 1272 von Köln nach St. Truiden kam, hat viele sehr ähnliche brettchengewebte Borte.

Das Band TX79 ist typisch dafür.

Mittwoch, 18. Dezember 2019

Das Band aus Grab C 395 aus Antinoè

Manche Bänder veröffentliche ich nur hier im Blog und noch nicht auf der Homepage, weil ich mit dem Rekonstruktionsversuch noch nicht zufrieden bin und noch weiter dran arbeiten muss.

Dies hier ist eins davon.


Freitag, 22. November 2019

Die Borte TX112a aus St. Truiden

Im 13. Jhd. sind viele Reliquien aus Köln nach St. Truiden weiter gegeben worden. Diese hatte man in wertvolle Textilien gehüllt.

Darunter waren viele brettchengewebte Borten, die alle in einem ähnlichen Stil gewebt waren.

Die Borte TX112a weicht ein wenig von den sonst üblichen geometrischen Motiven ab und hat exotischere Elemente.
 
 

Sonntag, 22. September 2019

Ein brettchengewebtes Band aus Dürrnberg

Als vor einigen Jahren Lise Raeder Knudson und Karina Grömer den Artikel 'Discovery of a New Tablet Weaving Technique from the Iron Age'  In: Archaeological Textiles Review No.54 veröffentlichten, war ich von der Borte fasziniert. Doch trotz einer ausführlichen Beschreibung in dem Artikel Ein abgerissener Ärmel aus dem Salzbergwerk Dürrnberg - Neue Erkenntnisse zur Brettchenwebtchnik in der Eisenzeit   aus dem JAHRBUCH DES RÖMISCH-GERMANISCHEN ZENTRALMUSEUMS MAINZ 56. Jahrgang 2009 habe ich es damals nicht geschafft, eine Borte zu weben, die auch nur annährend dem historischen Vorbild ähnelten.

Das Band selbst wird in das frühe 3. Jhd. v. Chr. datiert und ist damit der LaTéne B Zeit zugeordnet. 

Inzwischen hat es geklappt.



Samstag, 6. Juli 2019

Halberstadt - mal wieder

Lange ist es her, dass ich dieses Motiv von einem Altartuches aus Halberstatdt (14. Jhd) zum ersten Mal gewebt habe. 2001 war ich schon auf den Weg in Richtung eigene Musterentwicklung und 'Rekonstruktionen von historischen Borten', als mir Fabian Peise nach einem interessanten Mailaustausch diese Anleitung zur Verfügung gestellt hatte.

Seitdem kenne und schätze ich dieses Muster.
2014 hatte ich die Gelegenheit, mir die Borte persönlich in Halberstadt anzusehen und festzustellen, dass das Muster wirklich dem Original entspricht (das ist nicht immer selbstverständlich) und auf meiner 'To do Liste' stand das Nachweben mit den passenden Farben.

Das habe ich jetzt gemacht.
Vergleich Original und Rekonstruktionen

Sonntag, 7. April 2019

Wenn Bilder mehr sagen...

Oft genug werden Informationen zu Bortenfunden nur ein einziges Mal veröffentlicht. Meistens in Abhandlungen zu einer Ausgrabung bzw. in Ausstellungskatalogen.

Diese Texte behandel ich inzwischen mit Vorsicht und ich verlasse mich mehr auf die Bilder, denn ich bin mir nie sicher, ob derjenige, der den Text zu den Bortenfunden geschrieben hat, auch Fachwissen über das Brettchenweben hat.
Oft genug passiert es, dass Textilexperten nur mit Grundkenntnissen über das Brettchenweben seltsame Rückschlüsse ziehen.

Als ich mich vor mehr als 10 Jahren an die Borte aus Moscevaja Balka Inv. Nr. Kz 6778 gesetzt hatte, habe ich mir diese Frage nicht gestellt, einfach weil die Beschreibung stimmig war und mir Erfahrung fehlte, die ich heute habe.

Doch dann habe ich mir vor einiger Zeit noch einmal die Abbildung vom Fund und meine Rekonstruktion nach der Beschreibung angesehen und auf einmal hatte ich das Gefühl, dass es nicht richtig war.

Also habe ich mich hingesetzt und nach dem Fundbild einen neuen Musterentwurf gemacht.

Das neue Muster, das alte Muster, der Fund
The new pattern, the old pattern the find

Ich habe 20/2er Wolle verwendet und bin mit meiner 1,4 cm breiten Borte doppelt so breit geworden, wie das Original, das 0,8 cm breit ist. 

Freitag, 27. Juli 2018

Die Borte aus dem Grab von Ketilstaðir, Island

Oder die Borte der 'Lady in Blue'

Ich weiß nicht, wie oft ich schon auf das Bild von der Website gestarrt habe.



Es handelt sich hier um die Anfangskante eines Stoffes, das am Gewichtswebstuhl gewebt wurde. Diese Kanten sind im Fundgut meistens einfach gehalten und oft zwischen 3 und 5 Brettchen breit.


Dienstag, 24. April 2018

Das Band aus Reykjasel i Jökuldal / Island

Manche Bänder muss ich mehrfach weben.

Dieses hier macht einfach Spaß, weil es ein Hingucker ist, der nicht zu schwer zu weben ist.

Broschierung auf Köpergrund hört sich sehr schwer an, aber hier geht es sehr gut, da der Schussfaden und der Broschierfaden identisch ist.

Material: Wolle gefärbt von Marled
Brettchen: 15
Schuss/Broschierfaden: Wolle
Breite: 1,3 cm 


Samstag, 17. März 2018

Das brettchengewebte Band von Altrier

Seit im NESAT XII der Bericht Altrier (LUX): A fresh look at the textiles. In: K. Grömer and F. Pritchard (eds.) 2015 veröffentlicht wurde, beschäftige ich mich mit dem blau/roten Band (3-Fäden pro Brettchen) und versuche das Muster zu enträtseln.

Ich muss gestehen, dass ich lange und ausfühlich auf das Bild gestarrt habe, aber alles, nur kein Muster erkannt hatte.
Erst als Sylvia Crumbach ihren ersten Entwurf veröffentlichte, ging mir ein Licht auf (ok, es war ein ganzer Kronleuchter) und ich sah das erste Muster.


So habe ich 2016 den ersten Entwurf gewebt, war aber überhaupt nicht zufrieden.

Im Herbst 2017 habe ich einen neuen Versuch gestartet. 48 Brettchen, Wolle 3 Fäden pro Brettchen.


Freitag, 29. Dezember 2017

Birka B2

Die Borte stammt aus dem Grab 824. Es handelt sich um ein Frauengrab aus dem 10. Jhd. Urspünglich säumte die Borte ein rechteckiges Seidenstück, das gefüttert war und über Schulter/Rücken lag.