Dies ist ein Band, dass 2008 in einer Posterpräsentation vorgestellt wurde. Mit einer Abbildung und einer Musterzeichnung.
Es stammt aus Šilalė / Litauen (Požerė Grab 146 od 147) und wird in das Mittelalter datiert. Es wird im Archiv des National Museums von Litauen aufbewahrt.
Leider habe ich keine weiteren Informationen zu diesem Band.
Im Nationalmuseum von Litauen gibt es über 100 Fragmente von brettchengwebten Borten, die zu ca. 50 unterschiedlichen Borten gehören. Datiert sind sie in von der Eisenzeit bis ins späte Mittelalter.
So ist dieses Band aus Jakštaičiai-Meškiai dem Frauengrab 60 eindeutig zugeordnet, aber datiert ist die Borte vom 9.-16. Jhd. Über das Grab selber habe ich nichts heraus finden können.
Es ist ein
Band von einer Kindertunika, die in den Archiven der 'The Whietworth Gallery'
in der Universität in Manchester/GB aufbewahrt wird. Die Tunika wird zwischen
dem 6. und 9. Jhd. datiert und als Fundort ist Ägypten angegeben. Es gibt keine
weiteren Informationen zu dem Fund.
Das Band
selbst ist als 'gezwirntes' Band aus Wolle beschrieben worden und ist am Halsausschnitt
der Tunika angenäht worden. Das Band ist am Ende geknotet worden und der Knoten
wurde mitangenäht. Es gibt keine Information, dass das Band brettchengewebt
sein könnte.
Aber wenn man
ganz einfache brettchengewebte Borten webt, dann sieht es genauso aus wie
dieses Band. 4 Brettchen und alle Brettchen werden kontinuierlich in die
gleiche Richtung gedreht. Aber mit Fingerschlaufenweben kann man ein ähnliches
Muster erzeugen.
Zur Weihnachtsdekoration gehören bei mir brettchengewebte Borten. Meistens suche ich jedes Jahr ein oder zwei aus meinen Fundus, die ich verwende.
Da ich dieses Jahr mehr Zeit habe, habe ich eine Borte extra für meinen Adventskranz gewebt. Ich habe hier ein einfaches Muster gewählt (ok, mit historischem Bezug es erinnert an das Band aus Prag). Ich habe hier Glitzerfäden verarbeitet.
Ich weiß nicht, wie oft ich schon auf das Bild von der Website gestarrt habe.
Es handelt sich hier um die Anfangskante eines Stoffes, das am Gewichtswebstuhl gewebt wurde. Diese Kanten sind im Fundgut meistens einfach gehalten und oft zwischen 3 und 5 Brettchen breit.
Nachdem ich das Muster aus Priednieki/Lettland 11. Jhd gewebt habe, musste ich doch mal ausprobieren, wie es aussieht, wenn ich es in anderen Techniken webe:
Links Schnurbindung mit 8 Musterbrettchen,
Drehrhytmus 5v5z, Mitte, Missing Hohle auch 5v5z, rechts das historische Muster als zweiloch Gewebe
mit 14 Musterbrettchen, individuell gedreh.
I was curios how the early mediveal pattern from Priednieki/Latavia would appear if it would be woven in different ways. Left as a simple band with 5 forward / 5 backward, in the middle as missing hole with 5 forward / 5 backward. Right the pebble weave with 14 tablets and a individual rythm.
Alle Bänder sind zwischen 1,0 und 1,2 cm breit und ensprechen der damaligen Mode...
Ich möchte in diesem Post nur zeigen, dass es durchaus Gräber mit erstaunlich vielen Bortenfunden gibt.
Mal wieder Ladoga und mal wieder Gaigov I
Ich habe versucht, alle Borten aus dem Grab zu weben. Da es sich um ein Brandgrab handelt, ist nicht klar, wofür die Borten ursprünglich verwendet wurden. Einige waren an Stoffe genäht, doch bei den restlichen werden wir es wohl nie erfahren.
Vor einiger Zeit war ich beim Handweavers Studio in London und habe mir diverse Sorten Wolle zugelegt.
Neben einer wunderbaren 'naturally-dyed worsted wool 18/2' auch eine 20/2 Merino-Wool, die wunderschöne Farben hatte und vernünftig gezwirnt schien.
Mit der ersten habe ich die schmale Oseberg-Borte gewebt und bin wunderbar damit klar gekommen.
Heute hatte ich mir ein einfaches kleines Muster erstellt (Gerüchten zufolge handelt es sich bei der Vorlage, die mich angelächelt hatte, um eine Rekonstruktion von Kaarina burial site grave 40 - aber das glaube ich erst, wenn ich das Original gesehen habe) und hatte mir drei Farben rausgesucht, um es zu weben.
Aufketten und anweben funktionierten auch wunderbar, aber schon nach kurzer Zeit wurde das Garn länger und länger und länger.
Ich hatte es mit Holzbrettchen aufgekettet, aber da es die
leichten von Jens sind, sollte das Gewicht kein Problem sein.
Ich habe schon so manch ein anspruchsvolles Garn verarbeitet, aber ich hatte noch nie das Problem, dass alle Fäden gleichzeitig zickten. Hier hatte ich es.
So kam wie es kommen musste, und nach ca. 20 cm rissen 15 Fäden gleichzeitig und Besserung war nicht in Sicht. Ich bin zwar vieles, aber nicht so masochistisch veranlagt, dass ich mich da durchkämpfe, habe die Notbremse gezogen und kurzentschlossen die Borte abgeschnitten.
Inzwischen weiß ich, was das Problem war: Mangelnde Materialkenntnis.
Merinowolle ist zwar eine wunderschöne, flauschige Wolle,
die hat aber meist kurzstapelige Wolle mit viel Crimp (Kräuselung)! Das bringt die Flauschigkeit in das Garn, hat aber den
Nachteil, dass durch die kurze Faserlänge eigentlich sehr viel Drall
vonnöten wäre. Aber die Wolle, die ich gekauft hatte, hat nur 'normalen' Drall.
Schmeiße ich das Garn jetzt weg? Nein, ich werde es auch weiter als Kettfaden verwenden, ABER niemals mehr nur Merinowolle, sondern immer in Kombination mit anderer Wolle, so dass diese die Längung auffangen kann.