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Mittwoch, 19. August 2020

Anfängertaugliche Anleitungen? Introducions for beginners?

Eigentlich warne ich ja immer davor, dass meine Anleitungen schwierig zu verstehen sind und nur bedingt anfängertauglich sind.
Aber dann gibt es die historischen Bänder, wo man eigentlich gar nichts falsch machen kann (auch nicht als Autor der Webbriefe) und die kann man dann wirklich als die absoluten Anfängerborten bezeichnen.

Davon habe ich einige gewebt - aber von den meisten gibt es keine Anleitung. Das werde ich nach und nach ändern und sie veröffentlichen. Hier ist die Zusammenfassung.

Ihr wundert euch vielleicht, dass es von bestimmten Borten sehr unterschiedliche Anleitungen verschiedener Weber gibt. Das bedeutet es nicht, dass einer etwas 'falsch' gemacht hat. Es bedeutet, dass von dem Fund nicht viel erkennbares übrig geblieben ist, so dass es mehrere Interpretationen gibt. 


Usually I say that my patterns are difficult to understand and should be woven by advanced weaver.

But there are the historical tablet woven bands where it is rather impossible to do anything wrong (even if you write the pattern) and this are the bands for tablet weavers who are new to this passion.

Up to now I've woven quite a lot of them but only few of the patterns are written down. I intend to change it and will publish them. 


If you are wondering why several authors have published different patterns for one and the same band. It doesn't mean that one of the versions must be wrong. It means that the historic find is in a bad state and it is difficult to see a pattern at all. And so there are several interprtations. 

Alle Anleitungen hier ensprechen den historischen Vorlagen (jedenfalls soweit der Fund es zulässt), hier werden keine Kompromisse gemacht
All patterns are reconstructions as far as the finds allow it. 
 
Und bitte probiert den unendlichen Aufzug zum Aufketten aus. Das ist so ein Zeitersparnis. 


Dienstag, 17. März 2020

Seidenstoffe im wikingerzeitlichen Skandinavien

Man sieht sie so oft bei Rekonstruktionen von wikingerzeitlicher Kleidung, und in immer bunteren Ausführungen, teilweise motivgewebt, teilweise bedruckt und so gut wie gar nicht einfarbig.
Aber was für Seide gab es nun im wikingerzeitlichen Skandinavien?
Aufgrund der vielen Funde kann ich nur eine Übersicht geben. Detaillierte Informationen findet man in den Büchern der unten angegebenen Bücherliste.


Mittwoch, 4. Oktober 2017

Wofür hat man früher die Borten verwendet / Skandinavisches Frühmittelalter und alles was dazu gehört

In der 'Wikingerzeit' gibt es es erstaunlich viele Funde von brettchengewebten Borten. Doch sie wurden nicht für alles verwendet und oft nicht dort, wo man es erwartet. Bitte beachtet, dass die meisten gefundenen Borten zwischen 0,8 cm und 1,5 cm schmal sind. Breite Borte waren zu früheren Zeiten (Völkerwanderungszeit) modern.

Hier ist eine Aufstellung nach der 'Lage' der Borte, wie sie bei Ausgrabungen gefunden wurden:

Sonntag, 28. Mai 2017

Leinenborten im historischen Kontext.

Es gibt sie ja immer wieder, die Diskussion, welche Materialien damals beim Brettchenweben verwendet wurden und somit auch heute bei Rekonstruktionen verwendet werden können (es geht wie üblich um die Zeit bis ca. 1600 nach Christus, danach kam das Brettchenweben in Zentraleuropa aus der Mode).

Zu Wolle und Seide gibt es ja unzählige brettchengewebte Funde, aber was ist mit brettchengewebten Borten aus Leinen (oder anderem pflanzlichen Material)?

Zum einen muss man bedenken, dass man Leinen nicht so gut färben konnte wie Wolle oder Seide. Man konnte es blau färben oder ein helles rot, aber für alle anderen Farbtöne habe ich leider noch keinen Fundbericht auftreiben können.

Die früheste Leinenborte kommt aus der latènezeitlichen Nekropole von El Cigarralejo (Spanien), die als Kante an einem Leinentuch war. Die Borte wurde mit 33 Brettchen gewebt. Das Fundmaterial gibt nicht genug her, um zu sagen, ob es eine Anfangskante oder eine Seitenkante war.
Mit ca. 1,4 cm Breite und ungefärbt war sie nicht so auffällig wie viele andere Randborten. 



Danke an Barbara Köstner für folgende Information über eine brettchengewebte Borte:

Zweeloo, NL, 450 n.Chr., Gewebekante eines leinernen Diamantköpers, Leinen einfarbig, wohl ungefärbt, min. 12 Brettchen, durch Korrosion an den Verschlüssen der auf den Schulter sitzenden Fibeln erhalten. Lit.: S.Y. Vons-Comis, Een nieuwe reconstructie van de kleding van de Prinses van Zweeloo. In: Nieuwe drentse volksalmanak 105, 1988, 151-187.

14./15. Jhd. Felixstowe/GB
Eine Gürtelschnalle mit einer brettchengewebten Borte, 13 Brettchen sind erhalten, ggfs. waren es mehr. Das zweifarbige Muster wurde mit gebleichtem und ungebleichtem Leinen gewebt.
Grace M. Crowfoot - a medieval tablet woven braid from a Buckle found at Felixstowe


Aus dem 15. Jhd. gibt es die sog. Stola des heiligen Adalrich. Die Kette ist aus weißem und blauen Leinen, insgesamt 35 Brettchen und mit Wolle broschiert worden. 




Mehr reine Leinenborten kenne ich nicht. Es soll noch eine  mittelalterliche Borte aus Polen geben, die auch aus Leinen gefertigt wurde, aber dazu habe ich noch keine weiteren Informationen gefunden.
Wenn jemand weitere 'sachdienliche Hinweise' zu reinen Leinenborten hat, würde ich mich sehr freuen.


Mittwoch, 21. September 2016

Hakenkreuze bei brettchengewebten Borten der Wikinger?

Manche Diskussionen hängen mir zum Hals raus. Eine davon ist die über die Verwendung von Hakenkreuzmotiven bei den Wikingern.

Denn irgendwie scheint die jeder zu tragen, obwohl die Motivwahl in Deutschland sagen wir mal 'umstritten' ist.

Deswegen hatte ich mir die Mühe gemacht, im Vorfeld zu einer wikingerzeitlichen Veranstaltung einmal alle Bortenfunde mit reinen Hakenkreuzmotiven (egal ob nun links- oder rechtsgedreht) rauszusuchen, die ich kenne:

Birka B5, broschiert 1,2 cm breit, eins von mehreren Motiven in der Borte Aus dem Grab 977, Männlich 10. Jhd.

Birka B21, broschiert 1,0 cm breit, eins von mehreren Motiven in der Borte. Aus dem Grab 943, weiblich 10. Jhd

Mammen, Borte vom Handgelenk, ca. 1,5 cm breit, eins von mehreren Motiven in der Borte. Männlich, 10 Jhd.  Edit: 08/2018 man sollte sich immer das Original anschauen und da kann von mehreren Motiven nur eins als Hakenkreuz identifizieren. Alle anderen sind 'anders'

Hvilehøj, ca. 1,7 cm breit, eins von mehreren Motiven in der Borte

Edit: Birka B6, broschiert 1,1 cm breit, hier gibt es wirklich mehrere Motive mit Hakenkreuzen, die sich abwechseln. Grab 965, weiblich, 10 Jhd. (mit Pferd bestattet)
Danke an Ankai für den Hinweis.  

Edit: 2018 B5625, Vangsnes, Norwegen, Technik: Soumak, Breite nicht bekannt, vermutlich zwischen 1,0 und 1,5 cm, mehrere Motive mit Hakenkreuz ca. 950 - 1000 aus einem Frauengrab.

Das war es. 


Rekonstuktionsversuch des Bandes aus Hvilehøj

Donnerstag, 16. Juni 2016

Urban Legends beim Brettchenweben 'Slawische Borten'

Es gibt viele Funde slawische Borten, einige davon waren soger in Doublefacetechnik gewebt worden. 

Nicht so schnell. 

Fangen wir von vorne an. Und das beginnt mit der Definition der Slawen. Aus welcher Region stammen sie und zu welcher Zeit haben sie gelebt. 

Donnerstag, 9. Juni 2016

Borten aus der Spätantike/Frühmittelalter in Deutschland

Hatte ich urpsrünglich in meinen Büchern nur einige wenige Funde markiert, so habe ich inzwischen wesentlich mehr Informationen über Borten aus dieser Zeit.

Es gibt mehr Funde, als man zuerst denkt.

Köln, St. Severin Grab 73 fotografiert im Römisch Germanischem Museum, Köln


Leider gibt es häufig Überreste, die mit 'mit Gloldlahn broschiert, Muster nicht mehr erkennbar, vermutlich geometrische Motive' beschriftet wurden. 
Allerdings muss man hier immer beachten, dass in diesen Fällen meistens nicht eindeutig geklärt ist, ob das Grundmaterial wirklich eine Brettchenborte ist. Alternativ kann es sich um Bandgewebe oder um eine Anlegearbeit handeln. Wenn die Textilien vergangen und nur das Gold übrig geblieben ist, kann man dies nicht mehr erkennen.

Donnerstag, 26. November 2015

Borten aus der Wikingerzeit - die Britischen Inseln

Ich habe bereits in den Einträgen skandinavischen Völkerwanderungszeit und Borten aus der Wikingerzeit - Dänemark und Umgebung erste Zusammenfassungen über zeitlich und räumliche Fundgebiete aufzulisten.

Hier geht es mit den Britischen Inseln weiter. Hier werden auch angelsächsische Funde, die zeitlich passen aufgelistet. 

Dienstag, 4. August 2015

Borten aus der Wikingerzeit - Dänemark und Umgebung


Ich schaffe es ja, immer wieder in Diskussionen über historische Borte, Funde, Material und verwendete Technik verwickelt zu werden. Bisher habe ich dann immer in  meinen Büchern geblättert und jeden Fund einzeln rausgesucht. Da ich es mir einfach machen will, werde ich nach und nach Listen nach Fundregion zusammenstellen und hier veröffentlichen.
Nachdem ich vor einiger Zeit eine Aufstellung über brettchengewebte Borten der skandinavischen Völkerwanderungszeit veröffentlicht habe, setzte ich sie jetzt mit wikingerzeitlichen Borten fort.

Die erste Station ist Dänemark und angrenzendes norddeutsches Gebiet.

Gewälzt habe ich die Bücher, die ich in meiner Bücherliste habe und habe einige Quellen aus dem Internet hinzugezogen.

Vollständig ist die Liste noch lange nicht, aber ich denke, dass sie einen ersten Überblick bietet.
Ich freue mich, wenn man mich auf Funde hinweist, die nicht in dieser Liste stehen.

I tend to get involved in discussions of historic tablet woven bands the quality of finds and the used techniques. Up to now I flipped through my books and wrote down the historic finds I needed. But I don’t want to browse it again and again so you will find here lists of historic tablet woven bands culled from my books.
As I already did a list of tablet woven bands of the Scandinavian migration period and in this post I continue with Danish founds of the Viking time.
The list is not complete and you are welcome to point me towards historic founds I don’t have in my found.

Sonntag, 19. Juli 2015

Brettchengewebte Gürtel wie 'a' sind die?

Nachdem in den letzten Tagen immer wieder das Thema 'Funde von brettchengewebten Gürteln'  aufkam, habe ich den verregneten Vormittag damit verbracht, einmal meine Bücher zu wälzen und zu schauen, welche Brettchengewebe eindeutig als Gürtel verwendet wurden.

Um es kurz zu machen: Es gibt wenige erhaltene Funde. Ende des 14. und im 15. Jahrhundert gibt es dann wesentlich größere Anzahl von brettchengewebten Gürteln.

Gewälzt habe ich die Bücher, die ich in meiner Bücherliste habe und habe einige  Quellen aus dem Internet hinzugezogen. Zeitlicher Rahmen: Alles bis Ende des 15. Jahrhunderts.

Komplett ist sie noch lange nicht und ich freue mich über Ergänzungen.



Mittwoch, 24. Dezember 2014

'Migration Period tablet woven bands' aus Skandinavien



Ich habe mir erlaubt, mich durch das Buch 'The Högom Find and Other Migration Period Textiles and Costumes in Scandinavia' von Magareta Nockert zu arbeiten und einmal die brettchengewebten Borten, die sie in den Beschreibungen der verschiedenen Gräber erwähnt, aufzulisten.

Diese Gräber beziehen sich auf ‚Migration Period’ in Skandinavien und werden zwischen 480 und 610 n. Chr. datiert.

Von vielen Bändern sind leider nur noch Fragmente erhalten, die nicht immer einen Rückschluss auf die ursprüngliche Breite, das Material und evtl. auf die Brettchenanzahl zulassen. In den wenigsten Fällen ist es möglich, ein Muster zu rekonstruieren, weil die Fundstücke einfach zu kurz sind.
Sie wurden - soweit nicht anders angegeben - aus Wolle gewebt (2-Fädig-gesponnen)

Die meisten Fragmente sind im Zusammenhang mit Metallteilen (meistens Knopfähnlich) gefunden worden.



Montag, 16. Juni 2014

Die Römer und die Brettchenweberei


Um es kurz zu machen: die Fundlage für richtig 'römische' Borten ist praktisch nicht vorhanden. Aber es gibt Borten aus den römischen Provinzen. 

Ich habe folgendes bisher gefunden:
Ein inzwischen recht altes Buch hat eine ganze Menge Bilder von brettchengewebten Bändern des 2. - 4. Jahrhunderts aus Norddeutschland und Dänemark. Es heißt 'Textilfunde der Eisenzeit' von Karl Schlabow. Da es von 1976 ist, kann man es nur noch antiquariarisch kaufen, aber die Bilder sind sehr gut. Unter anderem werden hier die Funde vom Vaalermoor, Dätgen und Thorsberg aufgeführt.
Alle Bänder sind sehr einfach, meistens mit gestreiften Mustern oder Musterstrukturen im Stippengewebe. 

Ein weiteres sehr gutes Buch ist 'War and Worship' Textiles from 3rd to 4th century AD. Von den meisten Textilien sind nur noch Fragmente erhalten, doch die Qualität der Bilder ist hervorragend.

In dem Buch 'Tecxtile Manufacture in the Northern Roman Provinces' (von J.P. Wild, Cambridge University) werden drei brettchengewebte Bänder erwähnt, die in Mainz gefunden wurden, die wahrscheinlich als Webkante verwendet wurden. Eins davon wurde wahrscheinlich nur mit 1 Brettchen gewebt, die anderen beiden waren röhrenförmig und wurden wahrscheinlich mit ca. 4 Brettchen gewebt. 

Aus dem ersten Jhd. n.Chr. wird in 'Tablet Weaving' von Peter Collingwood eine brettchengewebte Borte aus Draende Lydinge, Dänemark, erwähnt. Er beschreibt das Band als 'Schmales Fragment von einem Wollstoff in Köpertechnik gewebt aus inem Frauengrab in Braende-Lydinge, Dänemar, mit einer mit einer vierfädigen, kettengezwirnten Borte mit abstehenden Fransen (er bezieht sich auf Hald, Olddanske Tekstiles, 1950). 

Aus dem 2. Jhd nach Christus gibt es eine einfache brettchengewebte Borte, die an einen Bronzekessel in Repov, Techechien korrodiert war. Erhaltene Breite ca. 1,9 cm (10 Brettchen).

Aus dem letzten drittel des 1sten Jahrhunderts gibt es Funde aus dem römischen London, aus NESAT V Frances Pritchard: 'Weaving Tablets from Roman London'
 
Ich kenne nur einen einzigen Fund südlich der Alpen: Der Saum von Veruccio -  Lise Raeder Knudsen berichtet darüber in Ancient textiles - modern finds, alle Funde in diesem Ort sind etruskisch (das war lange bevor Rom ein Imperium wurde).
Ansonsten kenne ich keinen römischen brettchengewebten Fund in Italien. Auf Statuen und Wandmalereien gibt es verzierte Kleidung, aber diese Verzierungen können auch mit anderen Techniken hergestellt worden sein (eingewebt, gestickt, Anlegearbeit, etc.)
Es gibt zwar einige 'Römische' brettchengewebte Motive, aber hier wurden Muster von Wandmalereien, Statuen, oder Töpferarbeiten als Brettchenweberei adaptiert.

'Self-Bands and other subtle patterns in Roman textiles' von Lise Bender Jorgensen berichtet über gefundene Webtechniken, die bei den Römern verwendet wurden.