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Freitag, 23. April 2021

Die Rekonstruktion einer Borte – wie funktioniert das?

Eigentlich ganz einfach. Man schaut sich eine Borte an und anhand der Vorlage zählt man das Muster aus und webt es nach.
 
Nur meistens ist es nicht so einfach. Die Borten sind nicht immer in einem Zustand, dass man alles einwandfrei erkennen kann. Und oft kann man nur raten und man muss sich im Laufe der Rekonstruktion korrigieren.

Wichtig ist, dass man Brettchenweben kann, gerne mit unterschiedlichen Techniken experimentiert und schon mal das eine oder andere Muster selbst entworfen hat. Man sollte also schon wissen, wie eine Köperborte aussieht, und wie eine zweiloch, oder dreiloch Borte.
 
Wenn ich ein Muster rekonstruieren will, schaue ich mir Borte an. Als erstes zähle ich aus, mit wie vielen Brettchen sie gewebt wurde. Funktioniert aber nicht immer, wenn das Bild unscharf/klein ist, dann kann man nicht immer die Stränge erkennen.
Aber eine erste Einschätzung ist möglich.
 
Dann versuche ich, anhand des Musters eine Technik zu bestimmen. Einige Techniken, wie die Köpertechnik, sind recht einfach, aber es ist schon schwieriger zu erkennen, ob man eine Borte, die mit 4 Fäden, 3 Fäden oder 2 Fäden pro Brettchen vor sich hat, da muss man oft auch vergleichen, ob der Rand anders aussieht, um etwas zu erkennen.
 
Und mit dem Wissen um Brettchenanzahl, Technik und dem Motiv auf der Borte versuche ich ein Muster zu entwickeln, das dem Fund so nahe wie möglich kommt.


Dienstag, 16. Mai 2017

Ein Muster verschiedene Techniken

Nachdem ich das Muster aus Priednieki/Lettland 11. Jhd gewebt habe, musste ich doch mal ausprobieren, wie es aussieht, wenn ich es in anderen Techniken webe:

Links Schnurbindung mit 8 Musterbrettchen, Drehrhytmus 5v5z, Mitte, Missing Hohle auch 5v5z, rechts das historische Muster als zweiloch Gewebe mit 14 Musterbrettchen, individuell gedreh.

I was curios how the early mediveal pattern from  Priednieki/Latavia would appear if it would be woven in different ways.

Left as a simple band with 5 forward / 5 backward, in the middle as missing hole with 5 forward / 5 backward. Right the pebble weave with 14 tablets and a individual rythm.


Alle Bänder sind zwischen 1,0 und 1,2 cm breit und ensprechen der damaligen Mode... 

Sonntag, 14. August 2016

Broschieren... Feinheiten

Wer bisher noch nicht broschiert hat, findet hier eine Anleitung. 

Wenn man ein brettchengewebtes Band broschiert, dann hat man mehrere Möglichkeiten, wie man den Broschierfaden unter das Gewebe senkt.

Pro Brettchen unter 1 Faden, pro Brettchen unter 2 Fäden (somit läuft er im Hauptfach mit) pro Brettchen unter allen 4 Fäden.

Machbar ist alles, was ist sinnvoll?

Das hängt davon ab, was für einen Effekt man erzielen will.


Dienstag, 24. Februar 2015

Historisches Brettchenweben in Köpertechnik

Dass mich die ganzen historischen Borten faszinieren, ist ja kein Geheimnis. Weil ich aber auch verstehen will, wie man es damals geschafft hat, so komplexe Muster ohne Karopapier zu weben, suche ich immer nach einem Weg, nur mit Skizzen und ohne komplizierte Anleitungen zu weben.

Bei der Zweilochtechnik klappt das wunderbar, doch Köper war für mich eine Technik, die nicht ohne aufwändiges Mustererstellen auf Karopapier (ok, inzwischen arbeite ich mit Excel-Tabellen) funktionierte. Aber es konnte doch nicht sein, dass man immer so aufwändig die Muster vorarbeiten musste.
Wenn man bedenkt, dass alleine die große Borte aus Hochdorf mit mindestens 115 Brettchen gewebt wurde, dann musste es einen anderen Weg geben. Aber ich fand keinen.

Bis ich vor nicht allzulanger Zeit in der Brettchenweber-Gruppe bei Facebook daran erinnert wurde, dass es von Ottfried Staudigel eine sogenannte Zwei-Pack-Methode gibt, bei der man mit wenig Aufwand eine einfarbige Borte in Köperstruktur webt.

Sie ist auch bei Steinmaus erklärt und das Resultat sieht etwa so aus:


Ich hatte das Glück, dass ich vor vielen Jahren einen Kursus bei Herrn Staudigel belegt hatte, wo er uns dies beigebracht hatte. Nicht nur das: Er hatte uns animiert, die Brettchen zu klappen, um damit einfache Muster selbst zu entwickeln und zu weben.
Mein Versuch von damals sieht nicht prickelnd aus, zeigt aber, dass es geht:


Mit Pappkarten macht mir persönlich das Klappen keine Freunde und ich bin bis heute kein Fan davon, dies zu tun.

Deswegen habe ich die Erinnerung an diese Technik verdrängt. Aber es ist DIE Methode, um Borten zu weben, bei denen man nur beim Wechsel der Farben die Brettchen klappt. Den Drehrhythmus brauch man dafür nicht zu verändern und man kommt mit einer Skizze aus, um das Muster zu weben.

Allerdings glaube ich nicht, dass alle Köpermuster so gewebt wurden. Muster mit vielen Farbwecheln wie die Borten aus Hallstatt, Mammen, Kirkkomäki oder Humikkala wurden wahrscheinlich in der heute üblichen Technik gewebt, weil man dort recht wenige einfarbige Strecken hat. Aber Borten wie Evobo oder Hochdorf sind wahrscheinlich in dieser Technik gewebt worden.

Literatur:
Ottfried Staudigel, 'Der Zauber des Brettchenwebens, 2000

Sonntag, 19. Oktober 2014

Eric of Pomeranias Gürtel

Es ist einer der wenigen komplett erhaltenen Gürtel aus dem Mittelalter.
Der Gürtel wird aus dem 13. Jhd. datiert, die Beschläge aus dem 1. Drittel 15. Jhd.
Gesamtlänge des Gürtels: 178 cm
Breite des Gürtels: 3 cm
Technik: Flottierung überbroschiert 
Brettchen: 80+ 

It is a belt of the 13th century, but the metal is of the 15th century
length: 178 cm
width: 3 cm
technique: snartemo with brocading
tablets: 80 and more

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Montag, 13. Oktober 2014

Die Textilkonferenz in London, Oktober 2014


London
Crafting Textiles from the Bronze Age to AD 1600:
A tribute to Peter Collingwood

Vom 10. – 11. Oktober war die Konferenz und ich bin darüber gestolpert, weil an dem ersten Tag sechs Vorträge über das Brettchenweben gehalten werden sollten.
95 Pfund Gebühren für zwei Tage  war zwar eine Menge Geld, ab für das Programm war es wirklich nicht zu viel.

Am Freitag ging um 7.00 h der Flug und alles lief so rund, dass wir noch vorher das Gepäck im Hotel abgeben konnten, bevor wir zur Konferenz gingen.

Freitag, 12. September 2014

Technikstudien

Technikstudien sind nicht spannend, es gibt keine neuen Muster zu entwickeln, keine Farbkombinationen anzuschauen, sondern man webt etwas einfarbiges, wo nur die Details ein wenig anders sind.

Ich habe es gemacht, damit ich einen Anhaltspunkt habe und bei historischen Borten mit meinen eigenen Probestücken vergleichen kann, welche Technik es vielleicht gewesen sein könnte.

Und so habe ich mich hingesetzt und mit einem Aufzug ganz viele kleine Stücke gewebt. Dabei habe ich aber gerade eben an der Oberfläche dessen gekratzt, was für gleichmäßige Webkombinationen es beim Brettchenweben gibt.