Dienstag, 26. Mai 2020

Die Borte vom Kinderkleid aus Ägypten

Manche Borten muss ich mehrfach weben, so diese Borte eines Kinderkleides (Inv Nr. 9935).

Ich hatte die Borte aus Ägypten, die ins 6./7. Jhd. datiert ist ursprünglich in den Farben wie sie jetzt (also nach 1300 Jahren) aussieht und viel zu dick gewebt. 20/2 Wolle war einfach zu grob.

So habe ich jetzt noch einmal 28/2 Wolle in den ursprünglichen Farben kräftiges rot und weiß gewebt.



Samstag, 23. Mai 2020

Eine weitere Borte aus dem Erfurter Schatzfund

Der Erfurter Schatzfund (1349 versteckt) bestand nicht nur aus einem Gold- und Silberschatz, an vielen Gürtelapplikationen befanden sich noch Reste von Textilien.

Es handelt sich dabei meistens um einfarbige brettchengewebte Bänder mit einer Struktur, wie man sie nicht aus früheren Zeiten kennt.

Der große Unterschied ist, dass diese Borten mit 6-Loch-Brettchen als ausgelassener Einzug gewebt wurde. Dabei wurden zwei Schussfäden verwendet.



Donnerstag, 14. Mai 2020

Die Kelten in der Hallstattzeit - wie anfangen?


Die Kelten in der Hallstattzeit - wie anfangen?

Man hat schon viel von dieser mysteriösen Kultur gehört, und es gibt so manch eine Dokumentation im Fernsehen. Aber wenn man ernsthaft anfängt, sich mit ihnen zu beschäftigen und versucht, die Kleidung zu rekonstruieren, dann wird es eng. Zumal das, was man oft in den Dokumentationen sieht, nur bedingt bis gar nicht mit dem übereinstimmt, was gefunden wurde.
Hier beschäftige ich mich mit der Kleidung der Kelten in Zentraleuropa zur Hallstattzeit, die von 800 v. Chr. bis etwa 450 v. Chr. datiert wird (natürlich mit regionalen Unterschieden), regional begrenzt auf Süddeutschland, Österreich und die angrenzenden südlich und östlich angrenzenden Länder. Andere Regionen haben eine andere Mode.

Als absolutes 'Must have' für diese Zeit empfehle ich das Buch 'Bunte Tuche gleißendes Metall - Frühe Kelten der Hallstattzeit', das einen guten Überblick über verschiedene Rekonstruktionsvorschläge gibt.
Dann PrähistorischeTextilkunst in Mitteleuropa von Karina Grömer. DAS Buch zu Textilien aus der Zeit, das es im kostenlosen Download gibt. 
Einen allgemeinen Überblick über die Kelten und Funde gibt das Buch 'Die Kelten in Deutschland' von Sabine Rieckhoff und Jörg Biel.
Aus der Hallstattzeit gibt es wenige Funde und noch weniger Abbildungen von getragener Kleidung. Von den Textilien sind nur Fragmente erhalten. Hauptfundorte sind die Salzbergwerke in Österreich (Hallstatt und Hallein) und das Grab des Keltenfürsten von Hochdorf.
Abbildungen von Kleidung gibt es in Mitteleuropa fast keine. Wenn man für eine Darstellung aus Süddeutschland recherchiert, dann muss man z.B. auf Abbildungen auf einer Situla von Vace, Slowenien oder von einer Situla aus Bologna, Italien oder der Situla aus Kuffern, Östereich zurückgreifen, um überhaupt eine Idee zu haben, wie die getragene Kleidung ausgesehen haben könnte. 
Man muss noch weiter gehen (sowohl räumlich als auch zeitlich), wenn man Funde von kompletten Textlilien vergleichend anschauen will, etwa die Moorfunde in Dänemark, die zeitlich früher oder später liegen, genau wie die Textilien aus dem nachchristlichen Ägypten oder anderen wüstenartigen Gebieten, wo das Klima beigetragen hat, dass Stoffe über 2500 Jahre erhalten geblieben sind.

Textilfragmente aus dem Salzbergwerk von Hallstatt (vom Titelbild des Buches 'Textilien aus Hallstatt')
Vielen Dank an Karina Grömer und das Naturhistorische Museum Wien für die Genehmigung, es zu verwenden.

Samstag, 25. April 2020

Fertig...

Als mir vor einigen Jahren der Grafiker meines Vertrauens Visitenkarten machte, staunte ich nicht schlecht, denn er hatte ein Motiv im mittelalterlichen Stil verwendet, das ich noch nicht gewebt hatte.

Das Muster (17 Musterbrettchen) war schnell entwickelt und dann legte ich los.

Ja, ich wurde halb fertig und dann lief mir ein spannenderes Motiv über den Weg, das ich unbedingt und ganz dringend weben musste....

Benutzt habe ich die Borte trotzdem, um meine Visitenkarten zu präsentieren:


Donnerstag, 23. April 2020

Eins meiner Ufos (Unfinished Objekts)


Zur Zeit arbeite ich an der Rekonstruktion eines brettchengewebeten Bandes aus Antinoé, Grab 84 b.

Es ist ein Köperband, das aber auch waagerechte Linien kann, das mit insgesamt 49 Musterbrettchen gewebt wird.

Im Moment bin ich ein wenig frustriert, da das Bild, das ich von der Borte habe, nicht gut genug ist, um die Feinheiten der Broschur zu erkennen.
Und deswegen ruht es zur Zeit.

I'm also working at the reconstruction of a tablet woven band from Antinoé, grave 84b.

it is a broken twill with horizontal lines, and I'm working with 49 tablets in the pattern.

Right now I'm a little bit frustrated as the picture, which I have from the original band, is not detailed enough to see all details of the brocading. 

So right now it is not on the loom.




Literatur:
Maximilien Durand (Autor),‎ Florence Calament (Autor),‎ Collectif (Autor),  Antinoé, à la vie, à la mode : Visions d'élégance dans les solitudes, 2013
Die Borte ist aus Lyon, musée des Tissus inv. MT 28929.92.1, MT 28929.92.2, MT 2013.0.46.1 und MT2013.0.46.2
Muster: eigener Entwurf

Donnerstag, 2. April 2020

Was ganz modernes

Ja, das geht auch ;-)

Wenn man wegen Corona HomeOffice hat, und viel Freizeit, dann kommt Frau auf verrückte Ideen.

Eine davon war es, doch mal eine wirklich schicke und abgefahrene Gesichtsmaske zu nähen. Wenn ich schon mit einer Erkältung einkaufen gehe, dann nur mit einer ungewöhnlichen Maske.

Da kam es mir sehr gelegen, dass eine Freundin eine wirklich schöne Maske postete und mir netterweise auch das Schnittmuster gab.

Ich wusste auch sofort, welches Material ich verwenden würde:

Da war doch noch der Fehlkauf einer bedruckten Seide, die ich im historischen Kontext nicht verwenden kann. Man kann sie zwar nicht in die Kochwäsche stecken, aber sie hat nichts dagegen sehr heiß gebügelt zu werden und damit kann man auch desinfizieren. 

Die Borten kommen auch aus dem Fundus - sie sind aus Ladoga, das in der Nähe von St. Petersburg liegt.

Dienstag, 17. März 2020

Seidenstoffe im wikingerzeitlichen Skandinavien

Man sieht sie so oft bei Rekonstruktionen von wikingerzeitlicher Kleidung, und in immer bunteren Ausführungen, teilweise motivgewebt, teilweise bedruckt und so gut wie gar nicht einfarbig.
Aber was für Seide gab es nun im wikingerzeitlichen Skandinavien?
Aufgrund der vielen Funde kann ich nur eine Übersicht geben. Detaillierte Informationen findet man in den Büchern der unten angegebenen Bücherliste.


Sonntag, 8. März 2020

Das Brettchenwebertreffen in Viersen

Das Treffen wurde wie immer perfekt von Menja organisiert. Vielen lieben Dank.

Für mich war es leider nur ein kurzer Besuch,  da ich Antibiotikum einnehme und das eine durchschlagende Wirkung hatte. So konnte ich auch nicht den geplanten Workshop machen, sorry....

Samstag, 15. Februar 2020

Das zwölfte Brettchenwebertreffen in Essen



 Eins meiner Highlights vom Brettchenwebertreffen. Barbara hatte sich von einer Borte von mir inspirieren lassen und hat sie ein wenig abgewandelt und als Missing Hole gewebt. Das ist so wunderschön geworden.

Donnerstag, 13. Februar 2020

Schmale Bänder

Ich habe in der letzten Zeit auch einige sehr schmale Bänder gewebt, die ich zeigen möchte.

6 Brettchen, 2 Farben, kontinuierlich in eine Richtung gedreht
6 tablets, 2 colours, always turned in the same direction.


Samstag, 8. Februar 2020

Irgendwann, wenn ich in Rente bin.

Werde ich mich auch an dieses Band wagen

Foto von  Unimus.no by Kulturhistorisk museum/ Museum of Cultural History
Oseberg 34D.

Samstag, 28. Dezember 2019

Das Band TX 79 aus St. Truiden

Der Reliquienschatz aus St. Truiden, der zwischen 1270 und 1272 von Köln nach St. Truiden kam, hat viele sehr ähnliche brettchengewebte Borte.

Das Band TX79 ist typisch dafür.

Mittwoch, 18. Dezember 2019

Das Band aus Grab C 395 aus Antinoè

Manche Bänder veröffentliche ich nur hier im Blog und noch nicht auf der Homepage, weil ich mit dem Rekonstruktionsversuch noch nicht zufrieden bin und noch weiter dran arbeiten muss.

Dies hier ist eins davon.


Montag, 16. Dezember 2019

Ein Spinnwirtel aus Antinoè

Der Spinnwirtel liegt Louvre in Paris in der Abteilung der Textilien aus Ägypten. Eigentlich wollte ich 'nur' die brettchengewebte Borte direkt daneben fotografieren, aber dann fiel mir dieser Schatz auf.

Einige Bücher aus der Fernleihe bestellt und in dem Buch 'Maximilien Durand, Egypte, la trame de l'Histoire : Textiles pharaoniques, coptes et islamiques' bin ich fündig geworden.

Jorgen Knochenschnitzer hat dann für mich die Spindel gefertigt.

Sie ist ein absoluter Traum und läuft fantastisch. Ein Schritt mehr, um wirklich hauchfeines Garn zu spinnen. Muss nur noch die Zeit dafür haben...

A spindle from finds from Antinoè (3rd to 7th century) (material: antler) on display in the Louvre/Paris. Yes you can spin very fine. I have to make the time.
Work by Jorgen Knochenschnitzer

Freitag, 22. November 2019

Die Borte TX112a aus St. Truiden

Im 13. Jhd. sind viele Reliquien aus Köln nach St. Truiden weiter gegeben worden. Diese hatte man in wertvolle Textilien gehüllt.

Darunter waren viele brettchengewebte Borten, die alle in einem ähnlichen Stil gewebt waren.

Die Borte TX112a weicht ein wenig von den sonst üblichen geometrischen Motiven ab und hat exotischere Elemente.