Freitag, 7. August 2020

Beendet

Manche Borten warten schon sehr lange darauf, dass ich sie zu Ende webe.

In diesem Fall liegt es daran, dass mir die Farbkombination einfach nicht gefällt. Zum Ausprobieren ist es ok, aber um ein ganzes Band zu weben, gefällt es mir nicht genug.

Seit mindestens 15 Jahren wird es immer wieder mal auf dem Webstuhl genommen, nur um nach dem Ausprobieren wieder in der Kiste zu landen.

Aber da ich mir dieses Jahr vorgenommen hatte, meine UFOs (UnFinishedObjects) zu reduzieren, kam sie mal wieder auf dem Webstuhl und ich habe Motive aus 'Tablets at Work' gewebt.

Doch mir gefielen die Farben immer noch nicht und ich habe lieber andere Dinge gewebt....

Also habe ich die Borte jetzt für beendet erklärt.

Ich habe hier mit NM11 Seide gearbeitet. Das breiteste Motiv hatte 20 Musterbrettchen und 4 Randbrettchen. 


von oben nach unten:
Leksand Band nach Marijke van Epen
modern von Randi Stoltz
modern - eigener Entwurf
modern aus 'Tablets at Work'

Dienstag, 4. August 2020

Der Tuchmarkt im Freilichtmuseum Bad Sobernheim

Ich bin ja sonst nicht diejenige, die hunderte Kilometer zu einer Veranstaltung fährt, nur um Borten zu zeigen.

Aber dieses Jahr ist ja alles anders und als die Ankündigung kam, dass der Tuchmarkt in Bad Sobernheim stattfinden würde, da fragte ich kurzentschlossen bei Andrea von www.wirweben.de, ob ich bei ihr übernachten dürfte.

Ich durfte nicht nur bei ihr übernachten, wir haben die Veranstaltung zusammen mit ihrem Mann gewuppt und hatten ein spannendes Wochenende.
Unser gemeinsamer Stand.

Das Freilichtmuseum

Montag, 27. Juli 2020

Der Thorsberger Prachtmantel

Es gibt ja Projekte, wo man denkt 'das mache ich wenn ich viel Zeit und Ruhe habe', also wenn man in Rente ist.

Genau so ein Projekt ist es für mich, die Borten des Thorsberger Prachtmantels zu weben.

Aber jetzt hatte es sich ergeben, dass ich in Zeit und Ruhe habe und so hatte ich Marled Marder von Archöotechnik - textile Fläche angefragt, ob sie mir kurzfristig den Stoff für den Thorsberger Mantel weben könne.

Sie konnte:

Foto von Marled Mader

Foto von Marled Mader

Donnerstag, 16. Juli 2020

Goodbye Sylvia

Vor einem Jahr verlor eine gute Freundin ihren Kampf gegen den Krebs.

Sylvia Crumbach, aufgenommen 2018

Dienstag, 14. Juli 2020

Kleidungsupdate

Ich hatte vor kurzem doch noch die Möglichkeit, an einer winzig kleinen Veranstaltung in Oerlinghausen teilzunehmen und konnte dort meine Wikingerausstattung, die ich im letzten Winter ein wenig überarbeitet hatte, zeigen.
Es ist auf Birka, Grab 824 basiert, aber statt Gebamsel trage ich eine einfache Glasperlenkette (das kommt davon, wenn Frau die Hälfte zu Hause vergisst).
Nicht zu sehen, das Leinenunterkleid.
Darüber ein rotes Wollkleid, das eine kleine Schleppe hat. Hier ein runder Halsausschnitt, da ich keine Funde von der Kombination Schalenfibeln und schmale Fibel am Hals kenne.
Das Trägerkleid ist aus handgewebten blauen Diamantköper mit feinem Seidenbesatz und dünnen Seidenträgern (und ja, die Träger sind zu dünn, das muss ich ändern, aber dafür muss ich erst mal Seide finden.... )
Schultertuch: grüne Seide, mit dünner Wolle gefüttert und mit brettchengewebter Borte (nach Grab 824) verziert und hat noch eine weitere Borte, mit der das Tuch in die Schalenfibel eingehängt ist, aber das kann man hier nicht so gut erkennen. Gefüttert mit einem dünnen Wollstoff.
Kopfbedeckung: Seide, Schnitt nach Fund aus Dublin
Schalenfibeln: P51 aus Bronze.
Schuhe: nach einem Fund aus Haithabu.



Zu den Farben:
Kopfbedeckung: Indigofärbung
Schultertuch: Seide Doppelfärbung aus Reseda und Indigo, Wollfutter Reseda
Trägerkleid: Seidenbesatz: Waidfärbung. Der handgewebte Stoff ist industriell gefärbt, da das 2 Stück Stoff im Museum ganz anderem Licht ausgesetzt ist und nicht ausbleichen darf. Aber es hat Waidfärbungen als Vorbild. Wie z.B. den Mantel hier
Das Wollunterkleid entspricht einer einfachen, nicht zu kräftigen Krappfärbung.


Sonntag, 21. Juni 2020

Die Borte vom Thorsberg-Kittel



Manchmal ist das Ergebnis nicht so, wie man erhofft.

So hier. Die Struktur des Originals zeigt, dass es ein Zweilochgewebe sein muss, aber es ist so viel vom Original vergangen, dass man nicht mehr wirklich ein Muster erahnen kann.

Was man aber sieht, dass ich mit der einfarbigen Farbgebung wohl falsch liege.

Dienstag, 16. Juni 2020

Musteranleitungen ...

Vor einigen Tagen hatte ich auf meiner Facebook-Seite das Bild von der Borte einer anderen Weberin geteilt. Sie hatte meine Anleitung verwendet, die ich nach einem Fund aus Ägypten erstellt hatte. Ich hatte das Muster in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift 'TWIST' veröffentlicht.



Jetzt ist ihr Bild nicht mehr da, weil sie es gelöscht hatte.
Warum?

Samstag, 6. Juni 2020

Zweilochgewebe



Nicht immer klappt es so, wie man es sich vorstellt.

So hier. Ich hatte angefangen, die Motive von 'Erich von Pommerns' Gürtel als Zweiloch zu weben, doch hier entwickelten nicht nur die Brettchen eine Eigenleben, sondern immer wieder riss ein Faden.

Desswegen hatte ich es nachdem ich einige Motive gewebt hatte, erst mal wieder vom Webstuhl genommen.

Und habe es dieses Jahr - wo ich mir fest vorgenommen habe, die Anzahl meiner UFOs zu halbieren - wieder auf den Webstuhl gepackt.

 

Dienstag, 26. Mai 2020

Die Borte vom Kinderkleid aus Ägypten

Manche Borten muss ich mehrfach weben, so diese Borte eines Kinderkleides (Inv Nr. 9935).

Ich hatte die Borte aus Ägypten, die ins 6./7. Jhd. datiert ist ursprünglich in den Farben wie sie jetzt (also nach 1300 Jahren) aussieht und viel zu dick gewebt. 20/2 Wolle war einfach zu grob.

So habe ich jetzt noch einmal 28/2 Wolle in den ursprünglichen Farben kräftiges rot und weiß gewebt.



Samstag, 23. Mai 2020

Eine weitere Borte aus dem Erfurter Schatzfund

Der Erfurter Schatzfund (1349 versteckt) bestand nicht nur aus einem Gold- und Silberschatz, an vielen Gürtelapplikationen befanden sich noch Reste von Textilien.

Es handelt sich dabei meistens um einfarbige brettchengewebte Bänder mit einer Struktur, wie man sie nicht aus früheren Zeiten kennt.

Der große Unterschied ist, dass diese Borten mit 6-Loch-Brettchen als ausgelassener Einzug gewebt wurde. Dabei wurden zwei Schussfäden verwendet.



Donnerstag, 14. Mai 2020

Die Kelten in der Hallstattzeit - wie anfangen?


Die Kelten in der Hallstattzeit - wie anfangen?

Man hat schon viel von dieser mysteriösen Kultur gehört, und es gibt so manch eine Dokumentation im Fernsehen. Aber wenn man ernsthaft anfängt, sich mit ihnen zu beschäftigen und versucht, die Kleidung zu rekonstruieren, dann wird es eng. Zumal das, was man oft in den Dokumentationen sieht, nur bedingt bis gar nicht mit dem übereinstimmt, was gefunden wurde.
Hier beschäftige ich mich mit der Kleidung der Kelten in Zentraleuropa zur Hallstattzeit, die von 800 v. Chr. bis etwa 450 v. Chr. datiert wird (natürlich mit regionalen Unterschieden), regional begrenzt auf Süddeutschland, Österreich und die angrenzenden südlich und östlich angrenzenden Länder. Andere Regionen haben eine andere Mode.

Als absolutes 'Must have' für diese Zeit empfehle ich das Buch 'Bunte Tuche gleißendes Metall - Frühe Kelten der Hallstattzeit', das einen guten Überblick über verschiedene Rekonstruktionsvorschläge gibt.
Dann PrähistorischeTextilkunst in Mitteleuropa von Karina Grömer. DAS Buch zu Textilien aus der Zeit, das es im kostenlosen Download gibt. 
Einen allgemeinen Überblick über die Kelten und Funde gibt das Buch 'Die Kelten in Deutschland' von Sabine Rieckhoff und Jörg Biel.
Aus der Hallstattzeit gibt es wenige Funde und noch weniger Abbildungen von getragener Kleidung. Von den Textilien sind nur Fragmente erhalten. Hauptfundorte sind die Salzbergwerke in Österreich (Hallstatt und Hallein) und das Grab des Keltenfürsten von Hochdorf.
Abbildungen von Kleidung gibt es in Mitteleuropa fast keine. Wenn man für eine Darstellung aus Süddeutschland recherchiert, dann muss man z.B. auf Abbildungen auf einer Situla von Vace, Slowenien oder von einer Situla aus Bologna, Italien oder der Situla aus Kuffern, Östereich zurückgreifen, um überhaupt eine Idee zu haben, wie die getragene Kleidung ausgesehen haben könnte. 
Man muss noch weiter gehen (sowohl räumlich als auch zeitlich), wenn man Funde von kompletten Textlilien vergleichend anschauen will, etwa die Moorfunde in Dänemark, die zeitlich früher oder später liegen, genau wie die Textilien aus dem nachchristlichen Ägypten oder anderen wüstenartigen Gebieten, wo das Klima beigetragen hat, dass Stoffe über 2500 Jahre erhalten geblieben sind.

Textilfragmente aus dem Salzbergwerk von Hallstatt (vom Titelbild des Buches 'Textilien aus Hallstatt')
Vielen Dank an Karina Grömer und das Naturhistorische Museum Wien für die Genehmigung, es zu verwenden.

Samstag, 25. April 2020

Fertig...

Als mir vor einigen Jahren der Grafiker meines Vertrauens Visitenkarten machte, staunte ich nicht schlecht, denn er hatte ein Motiv im mittelalterlichen Stil verwendet, das ich noch nicht gewebt hatte.

Das Muster (17 Musterbrettchen) war schnell entwickelt und dann legte ich los.

Ja, ich wurde halb fertig und dann lief mir ein spannenderes Motiv über den Weg, das ich unbedingt und ganz dringend weben musste....

Benutzt habe ich die Borte trotzdem, um meine Visitenkarten zu präsentieren:


Donnerstag, 23. April 2020

Eins meiner Ufos (Unfinished Objekts)


Zur Zeit arbeite ich an der Rekonstruktion eines brettchengewebeten Bandes aus Antinoé, Grab 84 b.

Es ist ein Köperband, das aber auch waagerechte Linien kann, das mit insgesamt 49 Musterbrettchen gewebt wird.

Im Moment bin ich ein wenig frustriert, da das Bild, das ich von der Borte habe, nicht gut genug ist, um die Feinheiten der Broschur zu erkennen.
Und deswegen ruht es zur Zeit.

I'm also working at the reconstruction of a tablet woven band from Antinoé, grave 84b.

it is a broken twill with horizontal lines, and I'm working with 49 tablets in the pattern.

Right now I'm a little bit frustrated as the picture, which I have from the original band, is not detailed enough to see all details of the brocading. 

So right now it is not on the loom.




Literatur:
Maximilien Durand (Autor),‎ Florence Calament (Autor),‎ Collectif (Autor),  Antinoé, à la vie, à la mode : Visions d'élégance dans les solitudes, 2013
Die Borte ist aus Lyon, musée des Tissus inv. MT 28929.92.1, MT 28929.92.2, MT 2013.0.46.1 und MT2013.0.46.2
Muster: eigener Entwurf

Donnerstag, 2. April 2020

Was ganz modernes

Ja, das geht auch ;-)

Wenn man wegen Corona HomeOffice hat, und viel Freizeit, dann kommt Frau auf verrückte Ideen.

Eine davon war es, doch mal eine wirklich schicke und abgefahrene Gesichtsmaske zu nähen. Wenn ich schon mit einer Erkältung einkaufen gehe, dann nur mit einer ungewöhnlichen Maske.

Da kam es mir sehr gelegen, dass eine Freundin eine wirklich schöne Maske postete und mir netterweise auch das Schnittmuster gab.

Ich wusste auch sofort, welches Material ich verwenden würde:

Da war doch noch der Fehlkauf einer bedruckten Seide, die ich im historischen Kontext nicht verwenden kann. Man kann sie zwar nicht in die Kochwäsche stecken, aber sie hat nichts dagegen sehr heiß gebügelt zu werden und damit kann man auch desinfizieren. 

Die Borten kommen auch aus dem Fundus - sie sind aus Ladoga, das in der Nähe von St. Petersburg liegt.

Dienstag, 17. März 2020

Seidenstoffe im wikingerzeitlichen Skandinavien

Man sieht sie so oft bei Rekonstruktionen von wikingerzeitlicher Kleidung, und in immer bunteren Ausführungen, teilweise motivgewebt, teilweise bedruckt und so gut wie gar nicht einfarbig.
Aber was für Seide gab es nun im wikingerzeitlichen Skandinavien?
Aufgrund der vielen Funde kann ich nur eine Übersicht geben. Detaillierte Informationen findet man in den Büchern der unten angegebenen Bücherliste.