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Mittwoch, 9. Dezember 2020

Brettchengewebe zu römischer Zeit

 

Kamm nach einem Fund aus Xanten, Brettchen generisch

Brettchengewebte Bänder zu römischer Zeit

 

Wenn man anfängt, sich mit den Funden zu beschäftigen, dann findet man erst mal nichts. Danach stößt man zuerst auf germanische Funde und wenn man ganz tief gräbt, dann gibt es auch einige ganz wenige Borten die man als 'römisch' bezeichnen kann. Aber sie sehen ein wenig anders aus, als erwartet. 

Montag, 16. Juni 2014

Die Römer und die Brettchenweberei


Um es kurz zu machen: die Fundlage für richtig 'römische' Borten ist praktisch nicht vorhanden. Aber es gibt Borten aus den römischen Provinzen. 

Ich habe folgendes bisher gefunden:
Ein inzwischen recht altes Buch hat eine ganze Menge Bilder von brettchengewebten Bändern des 2. - 4. Jahrhunderts aus Norddeutschland und Dänemark. Es heißt 'Textilfunde der Eisenzeit' von Karl Schlabow. Da es von 1976 ist, kann man es nur noch antiquariarisch kaufen, aber die Bilder sind sehr gut. Unter anderem werden hier die Funde vom Vaalermoor, Dätgen und Thorsberg aufgeführt.
Alle Bänder sind sehr einfach, meistens mit gestreiften Mustern oder Musterstrukturen im Stippengewebe. 

Ein weiteres sehr gutes Buch ist 'War and Worship' Textiles from 3rd to 4th century AD. Von den meisten Textilien sind nur noch Fragmente erhalten, doch die Qualität der Bilder ist hervorragend.

In dem Buch 'Tecxtile Manufacture in the Northern Roman Provinces' (von J.P. Wild, Cambridge University) werden drei brettchengewebte Bänder erwähnt, die in Mainz gefunden wurden, die wahrscheinlich als Webkante verwendet wurden. Eins davon wurde wahrscheinlich nur mit 1 Brettchen gewebt, die anderen beiden waren röhrenförmig und wurden wahrscheinlich mit ca. 4 Brettchen gewebt. 

Aus dem ersten Jhd. n.Chr. wird in 'Tablet Weaving' von Peter Collingwood eine brettchengewebte Borte aus Draende Lydinge, Dänemark, erwähnt. Er beschreibt das Band als 'Schmales Fragment von einem Wollstoff in Köpertechnik gewebt aus inem Frauengrab in Braende-Lydinge, Dänemar, mit einer mit einer vierfädigen, kettengezwirnten Borte mit abstehenden Fransen (er bezieht sich auf Hald, Olddanske Tekstiles, 1950). 

Aus dem 2. Jhd nach Christus gibt es eine einfache brettchengewebte Borte, die an einen Bronzekessel in Repov, Techechien korrodiert war. Erhaltene Breite ca. 1,9 cm (10 Brettchen).

Aus dem letzten drittel des 1sten Jahrhunderts gibt es Funde aus dem römischen London, aus NESAT V Frances Pritchard: 'Weaving Tablets from Roman London'
 
Ich kenne nur einen einzigen Fund südlich der Alpen: Der Saum von Veruccio -  Lise Raeder Knudsen berichtet darüber in Ancient textiles - modern finds, alle Funde in diesem Ort sind etruskisch (das war lange bevor Rom ein Imperium wurde).
Ansonsten kenne ich keinen römischen brettchengewebten Fund in Italien. Auf Statuen und Wandmalereien gibt es verzierte Kleidung, aber diese Verzierungen können auch mit anderen Techniken hergestellt worden sein (eingewebt, gestickt, Anlegearbeit, etc.)
Es gibt zwar einige 'Römische' brettchengewebte Motive, aber hier wurden Muster von Wandmalereien, Statuen, oder Töpferarbeiten als Brettchenweberei adaptiert.

'Self-Bands and other subtle patterns in Roman textiles' von Lise Bender Jorgensen berichtet über gefundene Webtechniken, die bei den Römern verwendet wurden.