Freitag, 23. April 2021

Die Rekonstruktion einer Borte – wie funktioniert das?

Eigentlich ganz einfach. Man schaut sich eine Borte an und anhand der Vorlage zählt man das Muster aus und webt es nach.
 
Nur meistens ist es nicht so einfach. Die Borten sind nicht immer in einem Zustand, dass man alles einwandfrei erkennen kann. Und oft kann man nur raten und man muss sich im Laufe der Rekonstruktion korrigieren.

Wichtig ist, dass man Brettchenweben kann, gerne mit unterschiedlichen Techniken experimentiert und schon mal das eine oder andere Muster selbst entworfen hat. Man sollte also schon wissen, wie eine Köperborte aussieht, und wie eine zweiloch, oder dreiloch Borte.
 
Wenn ich ein Muster rekonstruieren will, schaue ich mir Borte an. Als erstes zähle ich aus, mit wie vielen Brettchen sie gewebt wurde. Funktioniert aber nicht immer, wenn das Bild unscharf/klein ist, dann kann man nicht immer die Stränge erkennen.
Aber eine erste Einschätzung ist möglich.
 
Dann versuche ich, anhand des Musters eine Technik zu bestimmen. Einige Techniken, wie die Köpertechnik, sind recht einfach, aber es ist schon schwieriger zu erkennen, ob man eine Borte, die mit 4 Fäden, 3 Fäden oder 2 Fäden pro Brettchen vor sich hat, da muss man oft auch vergleichen, ob der Rand anders aussieht, um etwas zu erkennen.
 
Und mit dem Wissen um Brettchenanzahl, Technik und dem Motiv auf der Borte versuche ich ein Muster zu entwickeln, das dem Fund so nahe wie möglich kommt.


The reconstruction of a historic tablet woven band - how does it work?
 
Actually it is quite simple. You look at a tablet woven band and on the basis of the pattern you count out the pattern and weave it.
 
But most of the time it is not so simple. The borders are not always in a condition that you can see everything perfectly. And often you can only guess and you have to correct yourself in the course of reconstruction.

It is important that you know tablet weaving, that you like to experiment with different techniques and that you have already designed one or the other pattern yourself. So you should already know what a 3/1 broken twill looks like, and what a two-hole, or three-hole band looks like.
 
When I want to reconstruct a pattern, I look at band. The first thing I do is count out how many boards it was woven with. Doesn't always work though, if the picture is blurry/small, then you can't always see the strands.
But a first estimation is possible.
 
Then I try to determine a technique based on the pattern. Some techniques, like the broken twill technique, are quite easy, but it's already harder to tell if you have a band that has 4 threads, 3 threads or 2 threads per tablet in front of you, you often have to compare if the border looks different to see something.
 
And with the knowledge of the number of tablets, technique and the motif of the band, I try to develop a pattern that is as close as possible to what was found.


Aber fangen wir ‚einfach‘ an.
 
Hier eine kleine Borte aus dem Louvre.     
Das Bild ist nicht scharf und ganz genau kann man das Muster auch nicht erkennen, aber es scheinen kleine Dreiecke zu sein, die weiß/gelb auf rotem Hintergrund sind.
 
Die Brettchenanzahl: 1 helles, 1 dunkles Randbrettchen und wenn man die Linien folgt, dann sind es 8 oder 9 Musterbrettchen (beim Köper kann man eine Reihe an der Spitze des Dreiecks zählen dunkel- dunkel- hell – hell (ist da noch ein dunkel zwischen?) hell – hell – dunkel - dunkel.

Ich entscheide mich für 9 Musterbrettchen, zeichne eine Skizze und mache dann meistens Feierabend, denn beim ersten Mal erkenne bei schlechter Bildqualität / schlechem Erhaltungszustand so gut wie nie alle Details. 

Am nächsten Tag schaue ich mir das Bild noch einmal über ein anderes Gerät an, denn Bilder wirken je nach Gerät unterschiedlich und man sieht andere Details. Ich starte meistens am Computerbildschirm und nehme als anderes Gerät mein Handy. Mit den anderen Details, die ich sehe, feile ich noch ein wenig an der Anleitung, dann kette ich auf.
 
Schnell sind die ersten Motive gewebt und der Vergleich mit dem Original zeigt hier, dass es nur 8 Musterbrettchen sind, denn die rote Lücke ist zu groß. Die Spitzen stoßen fast gegeneinander.

Rekonstruktion mit 9 Musterbrettchen der Abstand ist zu groß

But let's start 'simple'.
 
Here is a small border from the Louvre.     
The picture is not sharp and you can't quite make out the pattern, but it seems to be small triangles that are white/yellow on a red background.
 
The number of tablets: 1 light, 1 dark border tablet and if you follow the lines there are 8 or 9 pattern tablets (on twill you can count one row at the top of the triangle dark- dark- light - light (is there a dark in between?) light - light - dark - dark.

I decide on 9 pattern tablets, draw a sketch and then usually call it a day, because the first time I do it, with poor image quality / poor state of preservation, I almost never see all the details.

The next day I look at the picture again on another device, because pictures look different depending on the device and you see different details. I usually start at the computer screen and use my cell phone as the other device. With the other details that I see, I change a little on the instructions, then I thread the tablets.
 
Quickly the first motifs are woven and the comparison with the original shows here that there are only 8 pattern boards, because the red gap is too big. The tips in the find almost bump against each other.

Also das mittlere Brettchen rausgenommen, die Anleitung angepasst und weiter gewebt. Mit dem nächsten Ergebnis bin ich schon recht zufrieden, aber so richtig ist es nicht. Also wechsel ich den Schussfaden. Statt das Leinengarn vom Randbrettchen nehme ich ein dünneres, naturfarbenes Leinengarn.

So I took out the middle board, adjusted the instructions and continued weaving. I'm quite happy with the next result, but it's not quite right. So I change the weft thread. Instead of the linen yarn from the border board, I take a thinner, natural colored linen yarn.
 
And now I'm pretty happy with the result. Still a little wider weave that pattern is not so elongated, and it fits.
 
What works here with a few changes is sometimes much more complex and time-consuming. But since my reconstructions should be as close as possible to the original, I actually always improve the first draft, because you can only see the subtleties in direct comparison with the image from the original.



Und jetzt bin ich mit dem Ergebnis ziemlich zufrieden. Noch ein wenig breiter weben, dass Muster nicht so langgezogen ist, und es passt.
 
Was hier mit einigen wenigen Änderungen funktioniert, ist manchmal viel komplexer und zeitaufwändiger. Aber da meine Rekonstruktionen so nah wie möglich am Original sein sollen, verbessere ich eigentlich immer den ersten Entwurf, weil man erst im direkten Vergleich mit der Abbildung vom Original die Feinheiten sieht.






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