Donnerstag, 18. Mai 2017

Frauenmäntel bei den Wikingern?

Die Diskussion gibt es immer wieder und als eine der Grundlagen gilt der Artikel:


Dazu muss ich sagen, dass ich den Text nur teilweise verstehe und mich auf die die Bilder und die Deutschen Zeilen verlassen habe. Deswegen kann es durchaus sein, dass mir einige Feinheiten in ihrer Interpretation entgangen sind. Das möge man mir bitte nachsehen.

Ich finde es sehr mutig, dass aufgrund von Textilien an Spangen und einem Vergleich mit Männergräbern auf Mäntel bei Frauen geschlossen wird. 


 
Warum mutig?


Einziger Beleg der dafür sprechen könnte, ist Grab 735. Auf der Brust gibt es mehrere Brettchenborten, die auf Stoff genäht wurden. Allerdings fehlen hier die Knöpfe, wie sie für Kaftans, die z.B. in Lettland verwendet wurden.
Könnte ein Beleg für einen Mantel sein - aber dann sollte man bei Rekonstruktionen auch die entsprechende Menge an brettchengewebter Borte verwenden.
Ich kenne aber auch genügend stimmige Rekonstruktionen, wo die Borten als Deko eines Trägerkleides verwendet werden.


Die Funde, die auf einen Frauenmantel hinweisen, sind Spangen mit gröberen Stofffragementen. 


Ja, aber sie könnten genau so gut auf Schultertücher hinweisen, wie es z.B. das Grab 824 hat (allerdings wurde da das Schultertuch an den Schalenfibeln befestigt).
Auch bei der Frauenfigur von Aska (aus Goland, das sowieso eine andere Mode hat als der Rest von Skandinavien) hat eine Fibel am Hals, die auf Tuch oder Mantel schließen lässt.  

Genau so gibt es einen Fund aus Veka (Norwegen)  Text: S.157 Skizze: S. 160, der als Beleg für ein Mantel gilt. Aber ein Schultertuch, dass über der Brust von einer Spange gehalten wird, fällt auch parallel nebeneinander. Das ist deswegen leider kein eindeutiger Nachweis. 

Dann die Posamentierarbeiten, die mit Schnurverzierungen auf Estländischen Mänteln verglichen wird. 

Aber wo wurden die Posamentierarbeiten in Birka gefunden?

Grab 524 - das ist ein Männergrab, fällt also raus aus unserem Nachweis für Frauengräber, Grab 542 ist auch ein Männergrab, 644 - ein Frauengrab, aber das Posament lag zwischen den Oberschenkeln zusammen mit anderen Kram... 710 ist wieder ein Männergrab. Genau wie 957.

Und darauf zu schließen, dass eine Arbeit, die zwischen den Oberschenklen lag, auf Verzierungen zu schließen, die lt. Hägg auf dem Oberkörper lagen, ist nicht überzeugend.


Ihr könnt euch selbst ein Bild von den Artikel machen, aber mit diesen Argumenten gibt es bei mir keinen Mantel, sondern ich bleibe beim Schultertuch.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Hinweis: Nur ein Mitglied dieses Blogs kann Kommentare posten.