Freitag, 19. Mai 2017

Was sind Larp, Cosplay, Marktgänger und historisch orientierte Ausstattung?

Für viele, die zum ersten Mal in das 'Hobby' abtauchen, ist es oft sehr überraschend festzustellen, dass sich die anderen, die sich auch 'seltsame Klamotten' anziehen, abgrenzen und behaupten, etwas ganz anderes zu machen.

Aber was sind dann nun die verschiedenen Spielarten? Was beschreibt den Anspruch an die Kleidung, die man im dem Hobby trägt?

Es sollte eigentlich niemand auf jemand Anderen herabschauen, weil es teilweise komplett unterschiedliche Dinge mit unterschiedlichen Ansprüchen sind. Aber manchmal klafft zwischen dem, was einige behaupten zu machen, und dem, was sie wirklich tun, eine riesengroße Lücke, so dass Missverständnisse vorprogramiert sind.

Und damit es nicht zu Missverständnissen kommt, hier eine Aufzählung der gängigsten Spielarten:



LARP steht für Live Action Roleplay (Live-Rollenspiel) und bezeichnet ein Rollenspiel, bei dem die Spieler ihre Spielfigur auch physisch selbst darstellen. Man macht es für sich und die Gruppe und hat normalerweise kein Publikum. Das Spiel und der Spaß am Darstellen der Figuren ist hier das eigentliche Ziel.
Oft gibt der Veranstalter ein grobes Setting. bzw eine Welt vor. Von der Zeitstellung ist da alles möglich. Von 10000 vor Christus bis zum Jahr eine Milliarde nach Christus (das System heisst Numenera.).
Die Ausstattung hat meistens sehr viele Fantasyelemente, aber es gibt auch Gruppen, die sich an historischen Vorlagen orientieren und detailverliebt arbeiten.

Cosplay Beim Cosplay stellt der Teilnehmer eine Figur – aus Manga, Anime, Comic, Film oder Computerspiel – durch Kostüm und Verhalten möglichst originalgetreu dar.  Cosplay wird überwiegend zum eigenen Vergnügen und für Wettbewerbe auf Conventions betrieben.


Und dann gibt es diejenigen, die sich mit ihrer Kleidung an der Vergangenheit orientieren möchten. Leider gibt es für die unterschiedlichen Abstufungen keine Fachbegriffe, aber es haben sich doch einige Bezeichnungen durchgesetzt

Wer sich mit Rüschenhemd und Bikerlederhose und Schwert in der Hand als orginalgetreuer fundorienter Graf Klotz von Größenwahn bezeichnet, wird gerne schon mal als Marktwolpertinger bezeichnet, denn es hat nichts, aber auch gar nichts mit historischer Darstellung zu tun. Genausowenig ist man mit Tunika und Lederminirock im Mittelalter richtig angezogen.

Marktmittelalter. Das sind Personen, die gerne auf Mittelaltermärkte gehen und dafür 'stimmige' Kleidung tragen. Die Sachen sollen gefallen.
Oft wird diese Ausstattung von Film- und Fernsehen beeinflusst und hat Fantasyelemente. Mal mehr, mal weniger.
Hier gibt es Abstufungen, ob man nun mit Pannesammt und Lurexborte zufrieden ist, oder sich doch an die historischen Materialien wie Wolle und Leinen hält. Ähnliches gilt für Schnittmuster und Zubehör.

Deswegen ist der Übergang zu den Leuten, die es genau nehmen und fundorientiert arbeiten, fließend. Ihre Kleidung wid mit möglich korrektem Material (also meistens Wolle und Leinen, hin und wieder auch Seide) nach historischen Vorlagen gefertigt. Sie wissen, dass man trotzdem nie alles wissen kann und wo ihre Ausstattung noch nicht optimal ist.

Diese Personen sieht man öfters schon mal in Museen, wo sie vor Vitrinen hocken und jedes einzelne Detail in sich aufsaugen, um es später zu reproduzieren.
Aber auch hier gibt es Abstufungen (unterschiedliche Prioritäten) und unterschiedliche Interpretationen, die manchmal zu hitzigen Diskussionen führen. Diese Auseinandersetzung mit den Details ist für viele das Salz in der Suppe


Begriffe wie Reenactment, Living History und ähnliches werden dafür verwendet, doch finde ich, dass diese nicht den Kern treffen, weil sie die Darstellung beschreiben, aber nicht den Anspruch der Darstellung. 

Wer mich kennt, weiß, dass ich zur letzten Kategorie gehöre und es beim Brettchenweben sehr genau nehme.

Allerdings bin ich auch der Meinung, dass je nach angestrebter Zeit und Darstellung auch modern gefärbete Stoffe toll sind und durchaus verwendet werden dürfen und Handnähte überbewertet sind - wichtiger ist, dass der Stoff für die Zeit in der er verwendet wird, richtig wirkt und die Naht gut aussieht.

Edit: Stand 20.05.2017 - da er zur Zeit diskutier wird, gibt es bestimmt noch eine überarbeitete Version.















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