Sonntag, 17. August 2014

Wikingerkleidung

Eigentlich habe ich mich bisher recht wenig für die Wikinger interessiert. Die haben zwar wirklich spannende Borten, aber ansonsten gab es kaum Berührungspunkte.

Aber dann habe ich mich für einen wikingerzeitlichen Termin Ende August entschieden und dafür wollte ich mir jetzt - natürlich in letzte Sekunde - ein Kleid nähen.

Nach erster Recheche entschied ich mich, dass ich mein einfaches Leinenunterkleid weiter verwenden werde, nur ein passendes Oberteil musste noch her.



Ein Schürzenkleid sollte es werden, schließlich hatte ich mir vor Jahren zwei recht schlichte (besser gesagt für Wikingerverhältnisse kleine) Fibeln gekauft, die ich nun verwenden wollte. Diese waren Replikate von Funden aus Horneland, Jutland, Denmark aus dem 10. Jhd und so wollte ich auch mit der Schürze in dänischem Gebiet bleiben.

(Edit: inzwischen weiß ich, dass die Borre-Fibeln nicht in einem Fundkomplex gefunden wurde, der eine Verwendung als Frauenfibeln zulässt. Das kommt davon wenn man sich vorrangig um die Textilien kümmert. Wird für die nächste Veranstaltung nachgebessert werden.)

Erstes Durchwühlen meine Bücher und Internetrecherche ergab ein niederschmetterndes Ergebnis: Es gab keine komplett erhaltenen Schürzen. Der 'größte' Fund war etwa 25 x 15 cm groß gewesen.Einzig an den Fibeln hatte man viele Textilreste gefunden, von denen man auf einige Formen schließen konnte, nur dass die Fibeln nie direkt an dem Material befestigt waren, sondern man mit Schlaufen gearbeitet hatte.

Wirklich nicht viel mit dem man arbeiten konnte...

Das hier ist meine Interpretation:

Ich habe einen leichten Wollstoff in Fischgratoptik verwendet. Schussfaden ein dunkler Wollfaden, Kettfaden ein heller Wollfaden. Beide können Naturfarben sein, aber da ich den Stoff vor vielen Jahren auf einen Flohmarkt gefunden habe, bin ich mir dessen nicht sicher.

Ein wurde einfaches, recht weites Schürzenkleid, bei dem an den Seiten jeweils zwei Keile eingesetzt wurden.  Handgenäht. Nicht tragende Nähte habe ich mit dem schwarzen Schussfaden des Kleides genäht, tragende Nähte mit einem Leinenfaden.
Ich habe mich für einen einfachen Rückstich entschieden, wie er auch bei Funden in York verwendet wurde (andere Stiche wären passender gewesen, aber aufgrund von eine sehr nahen Deadline habe ich mich für den schnellsten entschieden). Die Schlaufen für die Fibeln habe ich mit einem Knopflochstich versäubert, wie er u.a. in Hvilehøj, Denmark verwendet wurde.


Als ich dann heraus gefunden hatte, dass mit Schlaufen statt mit Stoffstreifen als Träger gearbeitet wurde, war es schon  zu spät - ich hatte den Stoff schon soweit zugeschnitten, dass der Rest nicht mehr lang genug war, um doppelt über meine Schulter zu gehen.
Also habe ich doch einen Stoffstreifen verwendet und vorne ein wenig 'geschummelt'. Bin mit dem Ergebnis recht zufrieden, werde es aber bei meinem nächsten Kleid anders machen.


Vorne habe ich den Stoff ein wenig gefältet, dass er straff über der Brust liegt, aber anschließend nicht spannt. Eigentlich hält das Kleid so, ich benötige keine Träger ;-)



Die Keile - zwei an jeder Seite, habe ich direkt unter den Achseln eingesetzt. So habe ich kein eng anliegendes Kleid, sondern einen sehr weich fallenden Stoff.

Arbeitszeit: Recherche: ca. 1 Woche, da ich die Bücher bei mir im Regal stehen, brauchte ich nicht die Fernleihe zu bemühen.
Zuschnitt: ca. 1 Stunde,
Nähen: ca. 20 Stunden.
Ich habe mich also etwas mehr als 2 Wochen damit beschäftigt und war 1 Woche schneller als gedacht und musste endlich mal nicht auf dem Weg zu einer Veranstaltung nähen.

Bilder von mir in der Kleidung wird es Anfang September geben.

Edit 2016: Inzwischen habe ich die Träger doch in Schlaufen ändern können und mir neue Fibeln zugelegt. Dazu habe ich noch ein schmales broschiertes Band angenäht.

Das sieht jetzt so aus:



Literatur:
Geijer, Agnes: Textile Finds from Birka, 1983
Hägg, Inga: Die Textilfunde aus dem Hafen von Haithabu., 1984

Hägg, Inga: Textilfunde aus der Siedlung und aus den Gräbern von Haithabu. 1991
The aprondress from Køstrup (grave ACQ) Website stand September 2013 

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