Samstag, 8. Oktober 2016

Die Schatzkammer in Wien

Als Wien als Urlaubsziel feststand, war für mich sofort klar, dass ich mir dort die Kaiserliche Schatzkammer ansehen wollte. Schließlich hatte ich 2004 nach einer Anleitung aus dem Buch "Ecclesiastical Pomp & Aristrocatic Circumstance" von Nancy Spies die Borte vom Mantel Roger II, König von Sizilien nachgewebt

Besser gesagt, ich hatte ein Motiv der Borte vom Krönungsmantel, der in der Schatzkammer ausgestellt ist, nachgewebt. Allerdings fand ich recht schnell heraus, dass man dort zwar ohne Blitz und ohne Stativ fotografieren darf, allerdings bei den Lichtverhältnissen mit keinen guten Ergebnissen zu rechnen ist (alte Textilien sind leider sehr empfindlich).

Also recherchierte ich vorab und nach einigen Mails kaufte ich die Genehmigung, vor Ort mit Stativ einige Bilder machen zu dürfen - allerdings nur für die private Recherche, so dass ich sie leider nicht veröffentlichen darf.






When we deceided that we would pay Vieanna a visit it was certain that I would go to the Imperial Treasury. I've woven in 2004 the tablet woven band from the cloak of Roger II from Sicily, I got the pattern from the book 'Ecclesiastical Pomp & Aristrocatic Circumstance' by Nancy Spies.
It is also called the 'Krönungsmantel' and on display in the treasury.

But in advance I received the information that it is possible to make fotos but without using lightning or a tripod. As it is dark in the museum there would be no way to get good pictures of the tablet woven band.
So I wrote to the museum and bought the permission to take pictures in the early morning with a tripod (lightning still not allowed).
On the 3rd October at 8.00 h I had one hour to take pictures in the treasury. An yes the light was as bad as I feared.


Am 03.10. um 8.00 h war es dann soweit und ich hatte die Schatzkammer für eine Stunde mehr oder weniger für mich alleine. Und ja, die Beleuchtung war genauso schwach, wie ich befürchtet hatte.



Da meine Spiegelreflexkamera nicht in der Lage war, bei der 'Helligkeit' automatisch scharf zu stellen, musste ich das einstellen. Das Ergebnis ist besser als ich befürchtet habe. Innerhalb von einer Stunde habe ich knapp 50 Bilder gemacht, wovon mehr als 40 so scharf sind, dass ich damit arbeiten kann.

As my reflex camera has been unable to focus on the tablet woven band I had to do it manual. The result is not perfect but much better than I feared. I did approx. 50 pictures and 40 of them have a quality I can work with.  


Nur hatte mich die Details doch sehr überrascht, denn die Grundstuktur der Borte sah in etwa so aus:
But the details took me by surprise, because the ground weft of the band looked like this: 


Die eigentliche Broschierung war nur an einigen wenigen Stellen vorhanden, aber man konnte die Motive trotz allem erkennen, da es sich scheinbar im Grundgewebe 'abgedrückt' hatte.... Wie zum Teufel hatten die das gemacht?

Nach einigen Tagen Grübeln (Sorry an meinen Mann, der in Wien nichts anderes mehr von mir zu hören bekam) und intensiven Austausch mit anderen Webern (danke René und Sonja), ging mir dann plötzlich nicht nur ein Licht, sondern der gesamte Kronleuchter auf, die Abdrücke sind die Fäden, unter denen der Broschierfaden läuft. Sprich es wird pro Brettchen nur unter einen Faden broschiert, dass man entweder einen gelben oder einen roten Faden über der Broschierung hat.

Und als ich dann wieder zu Hause kam, las ich die Beschreibung in "Ecclesiastical Pomp & Aristrocatic Circumstance". 2004 hatte ich nicht verstanden, wie es gewebt wird und stattdessen ein Köpergrund gewebt. Aber hier werden die Brettchen immer in eine Richtung gedreht, und das Muster entsteht trotzdem.

Ich musste nur noch zeichnen und aufketten. Im Gegensatz zu dem Band damals, zählte ich 41 Musterbrettchen, aber ansonsten stimmt die Beschreibung von Nancy Spies.
Bei einigen Mustern sind aber auch die Abdrücke sehr schwach, so dass man nur vermuten kann, wie es wirklich ausegesehn hat. Es könnte so gewesen sein: 

There isn't much left of the brocading. You have only few spots on the band where you can see it, but you can see the motives as there are imprints in the ground weft. How the hell did this work....???

I speculated for several days (sorry to my husband as I talked in Vienna nonstop of the band) and discussed it with other weaver (thanks to René and Sonja) and then I had a burst of lucidity
The imprints are the threads above the brocading. For each tablet you use only one thread. So there is either a yellow ore a red thread above wich seems to be the imprint.

Returning home I also read the description of the band from 'Ecclesiastical Pomp & Aristrocatic Circumstance'. 2004 I didn't understand how to weave this band and I used the 3/1 broken twill technique instead. But all tablets will be turned in one direction and the pattern still works. 

All I had to do was to draw the pattern and start weaving. Opposite to the description from Nancy Spies I counted 41 tablets for the pattern but the other descripton of her book is correct.
But as quite a lot of the imprints are faint you can only recognize the pattern but not how it was woven. There are several ways to do one and the same pattern:

 


Muster mit Goldlahn folgt noch / I will weave it with spun gold also.

Leider muss ich sagen, dass das Band, welches ich 2004 gewebt hatte, nur eine entfernte Ähnlichkeit mit dem Original hat. 


Sadly I have to say that the band I've woven 2004 has only a faint resemblance to the original band. 


Literatur:
Nancy Spies, "Ecclesiastical Pomp & Aristrocatic Circumstance", Maryland 2000
Ilse Fingerlin, 'Gürtel des hohen und späten Mittelalters'
Muster: eigener Entwurf
Technik: Broschieren



Kommentare:

  1. Absolut irre! Deine Hartnäckigkeit und Dein Einsatz sind einfach bewundernswert! Und dann kommt noch so etwas schönes dabei heraus!

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    1. Es macht mir einfach Spaß die alten Dinge zu entdecken und hinter deren Geheimnisse zu kommen - was bei dieser Borte gar nicht soooo einfach ist....

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